Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833492--47133-2833610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

388 In diesen Kreis gehört auch ein Vortrag von einem der Mitarbeiter Gunkels und Greßmanns, von Hans Schmidt: Der Mythos vom wied.erkehrenden König im Alten Testament (Gießen 1925). Schmidt deutet die Heilsverheißung bei Jesaja (95, 6,!!!ס!־־), bei Micha (45), bei Hosea 2, bei Jechezkeel 3423 ff., 3724 beim großen Tröster (Jes 553-5) derart, daß die Wiederkehr des Königs David verkündet wäre —, so würde David zu einer Art Kyffhauserherrscher, wie Karl der Große, wie Friedrich II., wie der verborgene Mahdi, wie der ungarische König Matthias in der südslawischen Sage. Diese dichterische Betrachtungsweise hat etwas Bestrickendes. Für exegetisch richtig möchte man sie kaum gelten lassen. Keineswegs kann sie als allgemeinprophetische Anschauung angenommen werden. Jirmijahu spricht klar dagegen: ,,Ich lasse dem David einen gerechten Sproß entstammen . . . man nennt ihn צדקנו *T\“ (Jir 23s, 6, 33*5, 16), dieser Sproß also heißt nicht David, oder: ,,So wie ich meinen Bund• mit Tag und Nacht, mit Himmel und Erde nicht löse, so kann ich auch Jakobs und Davids Stamm nicht verwerfen“ (Jir 3325, 26)• Schon die gewaltige Verheißung vom Reise, das aus dem Stamme Isais sproßt (Jes 11) verträgt diese Deutung kaum. Am ehesten fügt sich ihr Jechezkeel: ״ich lasse ihnen einen Hirten erstehen, der sie weidet, meinen Knecht David ... mein Knecht David soll Fürst in ihrer Mitte sein“ (3423, 24); ,.mein Knecht David soll ewig ihr Fürst sein“ (3725). Indessen auch Jechezkeel spricht von dem Erbe, von den Nachkommen dieses Fürsten (4716,17), wobei also an einen wiederkehrenden und ständigen Zukunftsherrscher nicht recht zu denken wäre* 1. Die Lehre der Schule Gunkels und Greßmanns begegnet freilich mannigfachem Widerspruch. Ein Abschnitt in Jakob Horovitz’ gelehrtem und scharfsinnigem Werke: ״D ie Josephserzählung“ (Frankfurt a. M. 1921) ist der biblischen Sagenkunde gewidmet (S. 90—119). Horovitz wendet viel Wissenschaft und Geist daran, die Auffassung anzufechten, welche in der Erzählung von Joseph und dem Weibe Potiphars den Stoff eines Wandermärchens erblickt. Leichtes Spiel hat Horovitz mit Jensen, der die Potiphargeschichte als einen Absenker des Gilgamesch-Epos darstellend, Joseph bald dem Gilgamesch, bald dem Gärtner Ischulanu (dem in ein Tier verwandelten Liebhaber Ischtars), Gilgamesch wieder bald dem Jakob, bald dem Joseph gleichsetzt. Noch leichter wird Horovitz mit Völter und mit Stuckens Astralmythen fertig. Mit scharfem Auge erspäht er auch eine Blöße in Gunkels Aufstellungen, wo es heißt : ״Der Bibel stehen.am nächsten indische und persische Varianten, die ebenso wie die Josephserzählung auch den Nebenzug Mehrfache Botensendung. S. 285 Elijahs Wunder. S. 290 Strafende Tiere. Immervoller Oelkrug. S. 291 Schwimmendes Beil. S. 293 Gastgeschenk des Gottesmannes. S. 297 Wunderheilungen* S. 300 Blendung der Feinde. S. 322 Ehe an trag des Dornbus chs. S. 348 Gefahr auf Gefahr. 1 D.er Glaube an einen persönlichen Messias mußte sich die Frage aufwerfen, ob dieser Erlöser ewig waltet; Maimuni meint, der Messias werde sterben, ihm werde sein Sohn, dann sein Enkel folgen (Mischna-Kommentar zu Sanhedrin X), so daß der Messias eigentlich eine Dynastie gründet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.