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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Eine apologetische Mischna
Date
1926-01-01
Page
Seite 380 (sequence 5)
Language
German
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380 wähnte Zitat aus dem Buche der Weisheit und aus der tannaitischen Literatur erinnert. Das testimonium paupertatis, welches der Jude Justins seinen zeitgenössischen jüdischen Lehrern ausstellt, ist weder berechtigt noch beglaubigt. Es ist nicht die einzige Angabe im Dialog und in der Apologie, deren Wahrhaftigkeit selbst bei dem unkritischen Leser Bedenken und Zweifel erregt. Es kann als Tatsache angesehen werden, daß die Erklärung der ehernen Schlange lange vor Justin Gegenstand der Exegese und Homiletik gewesen ist. Die Worte des Weisheitsdichters zeigen deutlich, daß sie eine gegnerische Ansicht entkräften wollen. Philo kommt auch öfters auf den Gegenstand zurück. Gewiß, weil die Stelle besonders geeignet erschien, Anstoß zu erregen und Fragen zu eröffnen, die wir in der Mischna ganz klar vor uns haben. Freudenthal1 und nach ihm -Weinstein2 sehen in dieser Exegese ,,fremdes Gewächs, das die jüdischen Hellenisten gepflanzt haben“. Weinstein übertreibt noch, wenn er sagt: ,,Die ,talmudische Agada* schloß sich genau dem Inhalte des Buches der Weisheit an, was den betreffenden Lehrern um so leichter war, da alle Agadisten sehr gut griechisch verstanden haben“. Der Beweis für diese kategorische Behauptung wird wohl schwer gebracht werden können. Wie dem auch sei, es kann nicht bezweifelt werden, daß die Geschichte von der ehernen Schlange die jüdische Apologetik und Exegese beschäftigte. Neuere Forschungen haben dem Buche der ,,Weisheit Salomos“ besondere Aufmerksamkeit gewidmet3, die aber noch manche Punkte unberührt ließen. Die Sapientia spricht oft von Gottlosen, die gegen Gott sündigen, indem sie sprechen, daß Gott ihre Herzen nicht beobachte, ihre Rede weder hören, noch׳ erfahren kann. Der Verfasser hingegen lehrt : Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, und der das All-Umfassende erfährt jede Rede. Daher kann keiner, der Unrechtes redet, verborgen bleiben, und nicht geht an ihm die strafende Gerechtigkeit vorüber4. Auch die Agada5 predigt gegen Gottlose dieser Art. Sie sprechen in ihren Herzen, und denken, . daß Gott es nicht vernehmen kann; wer könnte es Ihm mitteilen? Als klassische Beispiele werden angeführt: Nabal (Ps 14!), Nebukadnezzar (Dan 222), Haman (Esther 66) und Esau (Gen 27^). Wir begegnen noch an anderen Stellen in der Weisheit der Betonung der Lehre von Gottes Allwissenheit, die darauf schließen lassen, daß es in jener Zeit ,,besonders notwendig war einzuschärfen, daß. Gott der Zeuge des Innersten“ und ״der wahrhaftige Beobachter des Herzens“ sei (16). Warum? 1 Hellenistische Studien I 75. 8 Zur Genesis der Agada S. 20. 3 S. besonders die Studie I. Heinemanns, Die griechische Quelle der Weisheit Salomos, Breslau 1921 (Poseidonios* metaphysische Schriften I 136 — 153), wo auf die Arbeiten •von Heinisch, Focke, Peters und Gaertner verwiesen wird. 4 I 7—8. 5 Gen. r. 34, 10; 67, 8; Eccl. r. 5, 2, Esther r. 10, 3.’ M. Psalmen, ed. Buber 14, 2, S. 112 und ein Midraschfragment aus der Geniza veröffentlicht in ZfHB. 10, 1906, p. 121.

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