Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 379

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Eine apologetische Mischna
Date
1926-01-01
Page
Seite 379 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833491--47122-2833601
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

379 Zeit des Krieges mit Amalelc ,,ihrer Sünden wegen dem Tode preisgegeben“ wurde, lehnt sich wohl an Deut 2518 an. Besonders berücksichtigt wird der Gedanke in der Agada des R. Eliezer ben Hyrkanos und R. Josua ben Chananja einerseits und in der des R. Jehuda ben Hai und R. Nehemia andererseits (vgl. Mekh. 52 b, 53a, Ex. r. und Tanh. z. St.). ,,Denn,“ fährt das Sendschreiben fort, ״falls sie nicht auf ihn ihre Hoffnung setzten, würden sie für ewig bekriegt werden. Es legt also Moses inmitten auf einer Anhöhe zwei Schichte übereinander und auf solche Weise höherstehend als alle, streckt er seine Hände aus und so siegte Israel wieder.“ Die ganze Darstellung ist eine ziemlich verständliche beabsichtigte Entstellung des Schriftwortes, das von einer Kreuzfigur überhaupt nicht spricht. ,,Sowie er (Moses) sie (die Hände) dann wieder sinken ließ, brach der Tod abermals in seine Reihen. Warum? Damit sie einsehen möchten, es gibt unmöglich Rettung für sie, wenn sie nicht auf Ihn hofften!“ Wir übergehen die pilpulistische Deutung von Jes 652, die sich auch bei Justin in seiner Apologie I 35 findet und uns hier nicht interessiert, und kommen zum dritten Symbol, der ehernen Schlange. Der Schreiber schildert: ״Gott ließ sie nämlich von allerlei Schlangen gebissen werden und sie starben, damit, dieweil die Uebertretung mittels der Schlange in Eva geschehen war, er sie überführte, daß sie wegen ihrer Uebertretungen in Todes-Bedrängnis hingegeben würden. Obschon endlich dieser Moses das Gebot gegeben: ״Kein Bild, weder ein geschnitztes, noch ein gegossenes, soll euch zum Gotte dienen“, so macht er selbst ein solches, um einen Typus von Jesus zu weisen. Also: Moses macht eine eherne Schlange, befestigt sie an einem Balken, und ruft durch Herolde das Volk herbei. Als sie nun versammelt waren, baten sie Moses, er solle für sie opfern, und um ihre Heilung beten. Moses aber antwortete ihnen: Wenn einer von euch gebissen wird, so komme er zur Schlange, die auf das Holz gelegt ist und hoffe gläubig, daß jene, obschon tot, wieder lebendig machen könne, und auf der Stelle wird er gesund werden.“ Soweit der Barnabasbrief. Das Zusammentreffen dieser Gedanken und Gegenstände bei den Tannaiten einerseits und in der Epistel andererseits, muß zum Nachdenken anregen. Man könnte geneigt sein, in der Mischna eine Zurückweisung der Symbolik des Barnabas zu sehen. Das Blut, die Hände Mosis und die eherne Schlange lehren nicht die Typen des Kreuzes, sondern das Vertrauen auf Gott und Moses. Dem ist aber nicht so. Beide bearbeiten in ihrer Art einen älteren Gedanken. Bereits der Verfasser der Weisheit Salomos (165-7) behandelt die Schwierigkeit, die die Erzählung von der ehernen Schlange jedem Bibelleser verursacht, und stimmt in der Antwort beinahe wörtlich mit der Mischna überein: ״Denn wenn auch jeder, der dieses Zeichen ansah, am Leben blieb, so war es doch nicht deshalb, weil er zu dem Zeichen, sondern weil er zu Dir, der Du jedem hilfst, hinaufsah!“. Justin läßt in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon einen seiner Collocutoren klagen, daß er öfters die jüdischen Lehrer vergebens nach der Bedeutung der ehernen Schlange befragt hätte. Diese Nachricht erscheint etwas sonderbar, wenn man an das soeben er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.