Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Sepher Jezira
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
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374 Als Uebersetzung ־unseres Satzes ergibt sich nunmehr: ״Die zehn unvermischten Zahlen sind wie die Erscheinung des Blitz- Strahles zu betrachten1: ihr Ziel ist ihnen kein Ende. Gottes Schöpfergedanke bleibt in ihnen, so daß sie aus ihm hervortreten und zu ihm zurückkehren; zu seinem Schöpferwort streben sie, wie der Wirbelwind, hin, und vor seinem Throne beugen sie sich/' שוב למקום. Durch das Verständnis unseres Abschnittes gewinnt dann auch ein weiterer2 seine klare Bedeutung: ,,Zehn Zahlen, un vermischt d. i. geschlossen3, und das will dir sagen: verschließe deinen Mund, daß er nicht rede, und dein Herz, daß es nicht grüble. Tritt aber das Wort deines Mundes hervor, zu reden, und der Gedanke deines Herzens, zu grübeln, dann kehre zu dem,, Orte" zurück; denn das meint der Bibelsatz: ״die Chajot treten hervor und kehren zurück;" hierdurch4 wird die Verbindung bewirkt/' In diesen Sätzen ist das Gesetz der Erkenntnis dargelegt, ganz wie in den vorher behandelten das Gesetz der Entwicklung. Alles dialektische Erkennen ist für Proklus ein Erkennen der triadischen Bewegung, also des מקרם רצוא ושוב; es besteht daher darin, daß der Verstand, welcher zu der Vielheit hinaustritt, sich zu dem ersten Ursprünge, zu dem ,,Orte"5 immer wieder zurückwendet6, daß er die Vielheit zur Einheit zurückführt und so den ,,Bund", die Verbindung mit dem Einen erfaßt. Aber über dieser Erkenntnis, über der ,,Wahrheit", wie er sie nennt, steht für Proklus eine höhere noch, die n'ums, der Glaube7, der ein Schweigen, eine mystische Ruhe im Unaussprechbaren ist; denn durch den Glauben wird die Seele in Gott hineinversetzt. Diesen Glauben meinen die Worte בלום פיך, und von ihm spricht auch das letzte Kapitel des Buches, das von Abraham rühmt, daß er diesen Glauben hatte und daß er durch ihn Schöpferkraft gewann8. 1 Ueber die dem Buche Hechalot rabbati entstammende Bedeutung des Wortes des צפייה :Erscheinung, Anblick, vergl. Bloch a. a. O., S. 244, Anm. 1. Es wäre aber auch möglich, daß צפיה hier das Rer vor fließen, Hervor strömen, im neuplatonischen Sinne, bedeutete. 2 Seph. Jez. I, 8 p עשר ספירות בלימה בלום פיך מלדבר ולבך מלהרהר ואם פיך לדבר ולבך להרהר שוב למקום שלבך נאמר והחיות רצוא ושוב ועל דבר וה נכרתה ברית. 8 Das Wortspiel zwischen בלימה und בלום ist der Haggada Chulin 89a entnommen. Yergl. auch Aruch sub voce בלם, sowie Bachja ben Ascher zu Deut 3 327, dessen Erklärung von בלימה wohl ein Zitat aus unserem Buche ist. 4 על דבר bedeutet hier dasselbe wie על יד. 5 Wortspiel zwischen den Bedeutungen von מקום, einerseits Ort, Ausgangspunkt, andrerseits der Allgegenwärtige, Gott. Dasselbe, was hier durch die Worte שוב למקום ausgedrückt wird, ist in I, 4 mit den Worten gesagt: והושב יוצר על מכונו ,,laß den Schöpfer auf seinem Platze bleiben.“ Vergl. auch I, 5 מושל בכלם מממון קדשו, sowie I, 6 ולפני כסאו ד,ם משתחוים. 6 Durch unseren Satz gewinnt auch eine Stelle in einem Gedichte des Jehuda Halewi ihren klaren Sinn, Diwan ed. Brody III 231 (Strophe 4): ויעריצו שוב ורצוא. Wie sehr sich Jehuda Halewi mit unserem Buche befaßte, zeigen Kusari III, 17 (ed. Cassel, S. 230) und vor allem IV, 25. Vergl. auch V, 14 (ed. Cassel S. 406). 7 Proklus, The01. Plat. I, 24 ff. 8 Seph. Jez. VI, 15. Es ist bezeichnend, daß an dieser Stelle von Abraham dieselben Prädikate חצב וחקק ausgesagt werden, wie in I, 1 und vielen anderen Stellen unseres Buches von Gott, dem Schöpfer.