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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 371

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Zum Sepher Jezira
Date
1926-01-01
Page
Seite 371 (sequence 1)
Language
German
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371 Zum Sepher Jezira. Von L. B a e c k in Berlin. Das Sepher Jezira hat seine besondere Stellung in der Geschichte der jüdischen Mystik. Es bezeichnet den ersten Versuch, ein System mystischer Naturphilosophie zu gestalten. Und ebenso sehr hat es seinen Platz in der Geschichte der hebräischen Sprache. In ihm ist es zum ersten Mal unternommen worden, Begriffe der griechischen Philosophie selbständig nachzuformen, sie mit den Mitteln der hebräischen Sprache zum Ausdruck zu bringen. Die Bildhaftigkeit, die überall der mystischen Rede eigentümlich ist und sie immer wieder sprachschöpferisch werden läßt, beweist sich auch in unserem Buche. Einige Beispiele sollen es erläutern und zugleich dartun, daß das Sepher Jezira in seinen Gedanken wie in seiner Terminologie von der Lehre des letzten der großen Neuplatoniker, des P r o k 1 u s, abhängig ist, ja in seinen entscheidenden Abschnitten nichts anderes ist als die Uebertragung des Systems dieses griechisch schreibenden Scholastikers in jüdisches Denken und biblische Sprache. .ספירות בלימה Im ersten Perek des Buches werden zehn ספירות בלימה als die genannt, welche zusammen mit den zweiundzwanzig Buchstaben die Wege (1(נתיבות bezeichnen, in denen die Schöpfung sich vollzog, und viele von den Abschnitten dieses Kapitels beginnen emphatisch mit diesen Worten: עשר ספירות בלימה. Was sind diese Sephirot, die im Midrasch Bemidbar rabba2 schon wie ein Bekanntes erscheinen, und die zu einem ständigen Begriff der jüdischen Mystik geworden sind? L. Goldschmidt in seiner Ausgabe des Sepher Jezira erklärt sie als ״die abstrakten Zahlen, die ein Nichts und zugleich ein Etwas sind/'3 Bloch übersetzt: ,,Zahlen, in sich geschlossen" und erläutert dies: ״ohne irgend etwas, also abstrakt, rein für sich allein."4 Daß es sich hier nicht um die Zahlen der Mathematik handelt, ergibt sich daraus schon, daß hier an Stelle des üblichen מספר Zahl dieser besondere Terminus ספירה gebildet worden ist5 6. Es ist daher zu vermuten, daß er auch zur Wiedergabe eines besonderen Begriffes dienen soll, der in einem eigenen Wort eine eigene Art der Zahl 1 Sepher Jezira 1 1: בשלשים ושתים נתיבות פליאות הכבה חקק יד, ד׳ צבאות וג״. Es ist möglich, daß dieses Wort נתיבות eine Uebertragung des griechischen öTotxetov wäre, das sowohl die Urprinzipien wie die Buchstaben wie auch die Bilder des Tierkreises bezeichnet und mit seinem Stammwort axofyo«; Linie und seinem Verbum oTot^etv gehen für den des Griechischen und Hebräischen Kundigen das Gleiche wie das Wort נתיבה sagen könnte. 2 Bemidbar rabba zu 4גל. 3 Lazarus Goldschmidt, das Buch der Schöpfung, S. 80, Anm. 7. 4 Philipp Bloch, die jüdische Mystik und Kabbala in ״Winter und Wünsche, die jüdische Litteratur“, III, 245. 6 Es ist möglich, wie hier bemerkt sei, daß die, anders kaum erklärbare, dreifache Formung des Stammwortes ספר, die שלשה ספרים, am Ende von I, 1, die drei Klassen von Zahlen, welche Proklus unterschied, bezeichnen soll; über sie vergl. Zeller, Philosophie der Griechen III, 25, S. 862, Anm. 5. 24*

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