Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine alte jüdische Predigt
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 4)
- Language
- German
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- Helbo 1× ep/1004843
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369 gearbeitet wurde, denn die Auslegung des Jeremiaverses in seiner zweiten Hälfte von den Worten ,,siehe, ich bringe dir Hilfe“ an paßt logisch besser zu dieser Erklärung von der für den Mangel an Vertrauen verhängten Strafe der Untertänigkeit unter die fremden Völker und weniger zu der Bezugnahme auf Roms unübersehbaren Aufstieg. R. Chelbo, der die zweite Erklärung unter dem Namen R. Meirs überliefert, ist nach Jeruschalmi 70b ein Schüler R. Samuel ben Nachmans in aggadischer Deutung, er könnte beides ineinander gearbeitet haben. In der vorliegenden Gestalt muß die Predigt als ein zusammenhängendes, geschlossenes Ganzes bekannt gewesen sein, denn sie wird auszugweise zitiert. Schemoth rabba Abschnitt 31 heißt es zu dem Texte: ,,siehe, ich schicke einen Engel vor dir her (Ex 2320)“: über alle Götzendiener, sagte der Heilige, gelobt sei er, zum Todesengel, hast du Gewalt, aber nicht über Israel; so findet man denn auch, daß der Heilige, gelobt sei er, Jakob die Schutzgeister aller Reiche zeigte, er zeigte ihm die Völker und unter ihnen die vielen Präfekten und Herrscher, die zur Größe emporsteigen und von ihrer Größe wieder hinabsinken werden, denn so heißt es ja: ,,und siehe, die Engel Gottes stiegen herauf und hinunter“. Und der Heilige, gelobt sei er, sprach zu ihm, steige auch du empor; Jakob aber sprach, ich fürchte, ich werde ebenso gestürzt werden, wie jene gestürzt wurden; der Heilige, gelobt sei er, aber sprach zu ihm: fürchte nichts, so wenig wie ich von meiner Größe zur Niedrigkeit hinabsinken kann, so wenig gibt es für dich und deine Kinder ein Hinabsinken. Es ist deutlich erkennbar, daß hier ein bereits bekanntes Gedankengefüge inhaltlich zitiert wird, so daß man annehmen kann, man hat es mit einer bereits in weiten Kreisen in ihrem Gedankengang bekannten Predigt zu tun. Auch eine im J alkut zu Ps 3032 enthaltene Bemerkung: R. Meir deutete den Vers auf Jakob; denn Gott hatte ihm gesagt, steige du auch die Leiter hinauf, er aber vertraute nicht auf ihn und stieg nicht empor, denn wäre er auf gestiegen, nie hätte er in Knechtschaft hinabsinken können, macht deutlich den Eindruck eines Zitats aus einem wohlbekannten Gedankengang. Das Gleiche ist der Fall im Midrasch Tehillim. Dort heißt es zu Ps 3032: Der Heilige, gelobt sei er, zeigte eine Leiter, auf ihr stieg Babel 70 Stufen hoch und stürzte dann hinunter, Medien 52 und stürztfe ab, Griechenland 180 und stürzte dann, Rom über alle Maßen, er sah es und fürchtete sich. Der Heilige, gelobt sei er, sprach darum zu ihm: ,,fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob“, wie die Früheren hinunterfielen, werden auch die Späteren fallen. Ferner sagte der Heilige, gelobt sei er, zu Jakob, steige auch du empor, da sagte er: Herr der Welt, ich fürchte, daß ich auch stürzen werde, da sagte der Heilige, gelobt sei er, zu ihm: gib solchen Gedanken gar nicht Raum, ,,fürchte dich nicht, Jakob, und verzage nicht, Israel“. R. Jose ben Simra sagte im Namen R. Simon ben Jose’s, R. Meir deutete den Vers dahin, daß wenn er aufgestiegen wäre, er nicht hinuntergestiegen wäre und wir nicht in Knechtschaft geraten wären. Auch hier ist deutlich erkennbar, daß ein bekanntes Gedankengefüge in seinem wesentlichen Inhalt zitiert wird, ohne daß auf alle Einzelheiten genau geachtet wird. Monatsschrift, 70. Jahrgang. 24