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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 359

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Die Ethik Spinozas in ihrem Verhältnis zum Judentum
Date
1926-01-01
Page
Seite 359 (sequence 5)
Language
German
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359 Dingen herzuleiten und zugleich aus den Gesetzen, die in jenen Dingen als in ihren wahren Gesetzbüchern eingeschrieben sind/' (Tr. de int. emend. 101). Ja, diese veränderlichen Einzeldinge hängen so innig und wesentlich von jenen festen und ewigen Dingen ab, daß sie ohne dieselben weder sein noch begriffen werden können, wie jene festen und ewigen Dinge, nämlich der unendliche Verstand und Bewegung und Ruhe, die unendlichen Modi der göttlichen Substanz sind. So bestätigt die Naturwissenschaft die Intuition des religiösen Bewußtseins, daß ohne Gott nichts sein und begriffen werden kann und alles kraft der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt ist auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken. Gott ist die schaffende Natur, die in sich ist und durch sich begriffen wird. Alles Endliche aber ist die geschaffene Natur, die ohne Gott weder sein noch begriffen werden kann. (Ethik I Lehrs. 29). Die Einzigkeit, Notwendigkeit, Ewigkeit, Unendlichkeit, Allmacht, Freiheit Gottes sind seine Vollkommenheit. Aus seiner Vollkommenheit sind alle Dinge hervorgegangen. Welch andere und höhere Vollkommenheit könnte daher die Wirklichkeit haben als der notwendige Ausdruck des göttlichen Wesens zu sein? Alles hängt von Gottes Gewalt ab. Sollten sich die Dinge anders verhalten, so müßte sich notwendig auch Gottes Wille anders verhalten oder nicht notwendig d. h. nicht ewig und vollkommen sein. Darum ist alle anthropomorphe Beurteilung der Natur nach Zwecken, als stehe sie im Dienste des Menschen, nicht nur falsch, sondern zugleich unfromm. Sollte aber das Gute etwas sein, das außerhalb Gottes wäre, auf das Gott beim Handeln wie auf sein Vorbild hinblickte oder auf das er wie auf ein .bestimmtes Ziel zustrebte, so hieße das, Gott dem blinden Schicksal unterwerfen, und etwas Ungereimteres kann man von Gott nicht behaupten, der von der Wesenheit aller Dinge ebenso wie von ihrer Existenz die erste und freie Ursache ist. (Eth. I Lehrs. 33 Anm.). Da aber Gottes Wesen Ewigkeit und Unendlichkeit ist, die Dinge jedoch zufällig (insofern sie nicht durch sich, sondern durch Gott sind) und endlich sind, folgt, daß die Welt der endlichen Dinge wohl die Wirkung Gottes, aber nicht sein Wesen in sich faßt. Alles Endliehe ist begrenzt, alle Begrenzung ist Verneinung, Gott aber ist die Unendlichkeit. So gibt es keine Gleichheit zwischen Gott und der Kreatur. Die Vollkommenheit der Dinge insofern sie Ausdruck des göttlichen ewigen Wirkens sind, nimmt ihnen nicht ihre metaphysische Nichtigkeit, eine vergängliche Welle zu sein in der Unendlichkeit des göttlichen Seins. So wechselt zwar das Angesicht des ganzen Weltalls in unendlichen Weisen, bleibt aber doch immer ein und dasselbe. (Ep. 64). Dieses gleiche metaphysische Schicksal der Endlichkeit und Vergänglichkeit nivelliert jedoch nicht alles Endliche zu gleichem Rang des bloß Endlichen. In der Unendlichkeit der Distanz zwischen Gott und Kreatur gibt es relative Höhenunterschiede in der Vollkommenheit der Dinge. Je mehr ein Ding Vollkommenheit besitzt, desto mehr nimmt es teil an der Gottheit, und desto mehr drückt es Gottes Vollkommenheit aus. Wie es so einen Rangunterschied

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