Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 346 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833485--47079-2833568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

346 Bonn, den 26, Dezember 1880. Lieber College, Lazarus hat mir schon 2 Male über Berufung einer Synode geschrieben. Ich bin nicht dafür gegenwärtig. Die Träger der alten Reformpartei sind todt (Geiger, Aub, Löw, Prof. Fürst, Wechsler ü. A.). Wie wenige sind noch übrig! Wer soll also kommen? Die Breslauer? Die würden in der Frage über die Autorität des Talmuds, die ja in der Diskussion nicht zu vermeiden, nur schaden, oder sollen die jungen radikalen Schreier wie Stern (Buttenheim), Schreiber prävalieren? Jeder Beweis der inneren Zerfahrenheit würde uns nach Innen und A u ß e n in jetziger Zeit unendlich schaden. Das habe ich Lazarus gleich geantwortet. Jetzt bittet er mich mit Ihnen und Jacob Auerbach in Besprechung zu treten. Ich spreche daher Ihnen unverholen meine Meinung aus. Mit besteh Wünschen für Ihr Wohl, Ihr erg. Philippson. Die ,,Breslauer“, d. h. die aus dem Breslauer Seminar hervorgegangenen Rabbiner unter Führung von Joel, ihrem einstigen Lehrer, taten anderes und Besseres., Sie veranlaßten den Zusammentritt der ersten allgemeinen Rabbinerversammlung zu Berlin am 4. und 5. Juli 1884 und erhoben geschlossen Protest gegen die antisemitische Verunglimpfung des Talmuds und der jüdischen Sittenlehre. Joel, der den Vorsitz führte, streifte dabei, nur kurz die Bedeutung des Talmuds für die religiöse Praxis, indem er auch hier darauf hin wies, daß in Ritus ühd Cermonie der Talmud gleichfalls die mosaische Grundlage bewahrt habe1. Dagegen gab ihm die erste Tagung des in Verfolg der Berliner Versammlung begründeten Deutschen Rabbinerverbandes. willkommenen Anlaß noch einmal und zum letztenmal seine Stellung zur Kultusfrage als abgeschlossen darzulegen2. Er knüpfte in der Einleitungsrede, die er als ,Vorsitzender des am 5. und 6. Juli 1887 in Breslau abgehalterien Verbandstages hielt, an die Zweifel an, die P h i li p p s ö n und Leyi-Gieß et n geäußert hatten, ob Rabbinerversammlungen, die nicht vor allem Fragen des Ritus und Kultus behandelten und sich aller entscheidenden prinzipiellen Fragen enthielten; auf die Dauer möglich.seien. . Joel lehnte es ab, die neuen Rabbinerversammlungen als Fortsetzun- ' gen jener alten anzusehen, in denen zum erstenmal das neue Rabbinat mit dem von ihm beanspruchten Recht auf weltliche Bildung und freie wissenschaftliche Forschung geschlossen dem alten gegenübergetreten war und darum so viel Haß auf der einen und Liebe auf der anderen, Seite gefunden hatte. Jetzt;, da die wissenschaftliche Theologie, die Wissenschaft des Judentums — etwa so, wie sie Maimonides für seine Zeit in ewig denkwürdiger Weise hervorgebracht habe und wie. sie im späteren Mittelalter verloren gegangen. war — wieder errungen sei, habe es keinen Sinn, die alten Verhandlungen über den Kultus wieder aufzunehmen. Die Veredlung des Kultus sei nicht mehr strittig, sondern .Tatsache. Die prinzipiellen Differenzen seien bis ins Kleinste hinein einst besprochen worden und jeder könne sich aus1 den Verhandlungen darüber informieren. Der 1 Verhandlungen und Beschlüsse der Rabbinerversammlung ..zu. Berlin, . Berlin 1885,. B, 8. . : 1: 2 Israelitische Wochenschrift 1887, Nr. •29, S. 231 •ff,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.