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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 342

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 342 (sequence 13)
Language
German
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342 ständig an1. Daß Geiger mit dem Ausgang der Synode unter solchen Umständen sehr unzufrieden war und vor allem über die Kultuskommission die bittersten Bemerkungen äußerte2, brauchte nicht Wunder zu nehmen. An der Augsburger Synode 1871 nahm Joel nicht mehr teil. Die Kultusfrage hatte für ihn bald darauf mit der Herausgabe des Gebetbuches für die Neue Synagoge ihren Abschluß gefunden. Die Geigersche Grundlage war beibehalten worden, und Geiger war klug genug, nachdem er zuerst hatte Bedingungen stellen wollen, zuletzt doch die beliebig freie Benutzung seines Gebetbuches für das neu herauszugebende zu gestatten3. Die Aenderungen, die Joel vornahm und die im Einzelnen darzulegen hier sich erübrigt, da nur eine Darbietung der Grundsätze gegeben werden soll, bewegten sich im Geiste seiner in unserer Darstellung gezeichneten Anschauungen: Anerkennung der geschichtlichen Vergangenheit durch Aufnahme der Erinnerung an Zion und Jerusalem und an den Opferkultus, durch Betonung der Auserwählung Israels und durch Einschaltung der Akedah, dafür um so stärkere Streichung der nationalen Ideen der persönlichen Rückkehr nach Palästina und der Wiedererrichtung des jüdischen Staats wcsens und endlich nach einem in seiner Kultusschrift bereits erörterten Vorschlag4 Aufnahme des alten Textes der ,,Thefilla“ für das stille Gebet neben dem neu formulierten Haupttext, ein Vorschlag, der nach seinem Grundsatz die Vergangenheit fortbilden, nicht ,,fortschaffen“ sollte, aber tatsächlich praktisch wenig bedeutungsvoll war. Im Vorwort zum neuen Gebetbuch vom Juli 1872 legte Joel die Grundgedanken der Umgestaltung dar und iheinte besonders, der dogmatische Teil des Judentums habe hier eine solche Berücksichtigung gefunden, daß an dem getroffenen Ausgleich sowohl der fortgeschrittene wie der konservative Teil der Gemeinde sich genügen lassen könne, wenigstens diejenigen der ersteren Richtung, die die große Bedeutung des, geschichtlich Gewordenen zu würdigen wüßten, und diejenigen der anderen Seite, die begriffen, daß nicht der ganze überkommene Gebetsstoff jemals als sakrosankt gegolten habe und daß das ,,Gepräge der Weisen“ schon in alter Zeit kein einheitliches gewesen sei. In diesem Simie erklärte er auch in der Predigt zur Einweihung der Neuen Synagoge am' 29. September 1872:5 ״Keines der Gebete, die den Kern israelh tischer Ueberzeugungen enthalten oder die durch ihre geschichtliche Bedeutung das Herz mit den Erinnerungen der Jahrtausende erheben, ist in unserer Gebetsordnung weggelassen. Wohl aber ist da maßvoll gekürzt, wo die Fülle des vorhandenen Stoffes, die Ruhe und Würde der Ausführung gehindert hätte, Wohl aber ist da hinzu- 1 Referate über die der ersten israelitischen Synode zu Leipzig über- '-reichten Anträge, Berlin 181ל,! Abt. VIII Cultus, S. 222 ff. . . 2 Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft, und Leben 8. Jahrg., 1870, S-. 5. 3 Das Nähere hierüber s. bei Eckstein, Die Entstehungsgeschichte des Joelschen. Gebetbuches a^a. O. . . .. ׳.־־ 4 Zur Orientierung in der Cultusfrage, S. 29. .... 5 Predigten aus dem Nachlaß, herausgegeben von Eckstein und .;Ziemlich, Bd. II, Breslau 1894, 8. 180. ., ־.״.

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