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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 341

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 341 (sequence 12)
Language
German
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341 rigen Fragen aus dem Herzen der Gemeinde verbunden mit dem Schriftworte zu lösen und zu vereinbaren. Seine Tüchtigkeit wurde auch durch verschiedene Kommissionsarbeiten, zu denen er gewählt, allgemein anerkannt/' Die Kultuskommission, der er angehörte, hatte die ihr übergebenen 30 Pbilippsonschen Fragen in 18 zusammengezogen, von denen die Synodalversammlung 15 beantwortete und die übrigen drei einer weiteren Kommission überwies. Die Synode folgte nicht den Verlockungen zum Radikalismus, sondern teilte in ihren Beschlüssen den Standpunkt Joels, den er, so oft er das Wort ergriff, immer wieder aufs deutlichste unterstrich. Er und seine Freunde wünschten schon zu Beginn der Verhandlungen erklärt zu sehen1, daß die Synode ״bei Heilung der Uebelstände, die vorliegen, vor allem den Zusammenhang mit Bibel und traditionellem Schrifttum aufrecht zu erhalten bemüht sein will“. Da der Antrag in dieser Form nicht durchging, nahm Joel Veranlassung, beim Referat über die Beschlüsse der Kultuskommission seinen Grundsatz eingehend darzulegen2, daß der Gottesdienst aus dem natürlichen Boden unserer Geschichte und unserer Bestimmung hervorwachsen und in diesem Sinne bei den Aenderungen verfahren werden müsse. Er konstatierte ausdrücklich, daß dies auch die allgemeine Gesinnung der Synode sei, daß sie im vollen Bewußtsein der Unmöglichkeit, einen Phantasiekultus zu schaffen, im lebendigsten Zusammenhang mit der Vergangenheit bleiben wolle und diesen Zusammenhang anstrebe. Auch die Gemeinschaftsidee des Kultus brachte er scharf zum Ausdruck. Die wahre Größe bestehe nur in der Gemeinschaft. Dieser Gemeinschaftsgedanke durchziehe ja ohnedies, unsere Gebete, da in ihnen weniger das Individuum bete als das gesamte Israel. Ohne daß die Freiheit des Individuums angetastet werde, solle es doch vor allem in bezug auf den Kultus nicht durchaus nur das, was es allein bewegt, zum Ausdruck bringen, sondern das, was Israel, was die Gesamtheit bewegt. Aus dieser Gemeinschaftsidee heraus legte er auch Wert darauf, daß sich wenigstens ein großer Teil der gebildeten Judenheit den Vorschlägen der Synode anschließe; das werde nur geschehen, wenn man eine gewisse Scheu vor alten Einrichtungen zeige, doch da, wo es zum Heile des Judentums sei, von ihnen abweiche3. Diese Scheu sollte vor allem der Heiligen Schrift gegenüber gewahrt werden. Bei Erörterung der Vorlesungen aus der Thora trat er deshalb entschieden Geiger entgegen und lehnte es ab, eine Stelle in der Schrift deshalb nicht vorlesen zu lassen, weil sie vergänglich und vergangen sei. Es gebe wohl eine große Anzahl von Geboten in der Schrift, welche nicht mehr anwendbar seien, aber keine Stelle, die nicht erhebend und erbaulich wäre und nicht durch den Prediger erbaulich gemacht werden könne4. Erst recht lehnte er weitergellende Anträge auf Zuziehung der Frauen zum Minjan und die Gleichstellung des weiblichen Geschlechts in religiöser Beziehung, namentlich beim Gottesdienste ab und schloß sich den diesbezüglichen gutachtlichen Erörterungen Adlers voll- 1 Verhandlungen der ersten Israelitischen Synode zu Leipzig, S. 67. 2 Das. S. 128 ff. 3 Das. S. 101. 4 Das. S. 150.

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