Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 339

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 339 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833485--47072-2833561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

339 im Jahresbericht der Anstalt die stärkere Beteiligung an der feierliehen Konfirmation der Knaben und Mädchen der Gemeinde ans Herz zu legen. Sie sei wohl ein Produkt der modernen Zeit; aber sei sie deshalb zu verwerfen oder auch nur als weniger belangreich hinzustellen? ״Bei solchen Einrichtungen ist der erste Gesichts-‘ punkt der, ob sie nicht etwa dem Geiste des Judentums geradezu widerstreben. Und da haben wir schon gezeigt, daß die in Rede stehende Institution umgekehrt diesem Geiste durchaus konform, ja aus ihm hervorgegangen ist. Behauptungen wie, die, sie sei nur Nachahmung fremden Gebrauches, haben immer etwas Gewagtes, solange man nicht untersucht, ob denn dieser fremde Gebrauch nicht selbst vielleicht auf ursprünglich Jüdisches zurückgeht und wie alt denn dieser Gebrauch bei anderen Konfessionen sei. Der wichtigste Gesichtspunkt ist bei solchen Fragen offenbar der, ob die Einrichtungen einem wirklichen Bedürfnisse entsprechen. ... Etwas, das sich als ein Zeitbedürfnis legit'imiert, ist damit auch als eingeschichtlich Gewordenes und Berechtigtes legitimiert/' Schärfer hätte wühl auch Geiger kaum seine Anschauung über die ,,Anforderungen der Zeit" formulieren können. Und in ebenso scharfer Prägung war diese ganze Auffassung bereits in der Rede zutage getreten, welche Joel am 31. Oktober 1866 bei der Grundsteinlegung der Neuen Synagoge gehalten hatte1. ״Die einen mögen erkennen, daß alle Neugestaltungen nur dann Dauer und Heil versprechen, wenn sie auf dem eigentümlichen Boden unserer Religion und ihrer glorreichen Geschichte bleiben. Die anderen mögen erkennen, daß das Bedürfnis nach Verbesserungen kein willkürlich erzeugtes, kein in zufälligen Ursachen liegendes, kein durch irgend welche menschliche Kraft zu hemmendes ist, sondern in den berechtigten An- Sprüchen einer in ihrer Geschmacksrichtung und in ihren Anschauungen völlig veränderten Gegenwart wurzelt, ist es nicht Gott selbst, der מהשנא עדניא וזמניא ist, der die Zeiten und die Zeitverhältnisse ändert?" Geiger hätte also keinen Grund gehabt, an der klaren und ehrlichen, aus. wissenschaftlicher Anschauung heraus geborenen Haltung und Stellung Joels zu den Kultusfragen zu zweifeln; er zog sich leichten Sinnes aus der Affäre, wenn er erklärte, die Widerlegung der Joelschen Streitschrift könne kein urteilsfähiger Leser von ihm verlangen, und sich mit der Berichtigung begnügte, daß seine erste Abhandlung über den Gottesdienst nicht für Breslau und als Plädoyer für sein Breslauer Gebetbuch bestimmt gewesen sei2. Unterdessen war die Synodalidee weiter propagiert worden und gewann immer stärkere Aussicht auf Verwirklichung, so daß Joel 1 Festpredigten•, Breslau 1867, S.' 238. 2 Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, a. a. O., S. 240. Eine versöhnliche Besprechung der Joelschen Schrift und Weiterausführung einzelner darin berührter Spezialfragen bot Philippson in A. Z. d. J. 1869, Nr. 2, als Fortsetzung seiner Artikelserie•‘über die gottesdienstlichen Fragen. Gegen beide Streiter wandte sich Treuenfels in der Monatsschrift f. Gesch.’u. Wissensch. d. Juden!., 18. Jahrg. 1869, S. 328 ff. 22*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.