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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 336

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 336 (sequence 7)
Language
German
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336 der praktische Zweck, dem die Versammlung dienen sollte, völlig scheitern würde. Man besann sich endlich auf diesen Zweck und ging an die Beratung einer von Philippson entworfenen, 30 Punkte umfassenden Vorlage über die Verbesserung des Gottesdienstes heran, deren Einzelheiten teils beschlußmäßig erledigt, teils einer Kommission übertragen wurden, welche sämtliche Anträge nochmals durcharbeiten, motivieren und in endgültige Fassung zur־ Vorlage an die künftige Synode bringen sollte. Die Kommission bestand aus Adler, Philippson und Joel, so daß durch diese drei der gemäßigten Richtung huldigenden Persönlichkeiten eine befriedigende Lösung zu erhoffen war. Abraham Geiger, der mit seiner Abhandlung ,,Unser Gottesdienst“1 die Bewegung des Jahres eröffnet und der Versammlung gleichfalls dreißig, das ganze liturgische Gebäude in systematischer Folge umfassende Fragen zur Erörterung vorgelegt hatte, kam bezeichnenderweise nicht zu ausschlaggebendem Einfluß in ihr und wurde auch nicht in die Kultuskommission berufen. Die bereits gefaßten Einzelbeschlüsse wiesen׳ ebenfalls einen konservativen Zug auf: Beibehaltung des dreijährigen Zyklus, der Haftarah, die jedoch in der Landessprache zu verlesen sei, und des Minjan im Gottesdienste. Die Mitglieder der Kommission sollten in voller Freiheit und nach eigenem Ermessen arbeiten. Philippson׳ eröffnete sofort inseiner Zeitung eine Reihe von Aufsätzen über ״die gottesdienstlichen Fragen* 2‘׳ und auch Joel sah sich veranlaßt, sich mit dem gesamten Komplex der Kültusfrage eingehender und tiefer zu beschäftigen. Nach seiner ganzen Art des Denkens und Forschens, die zur abstrahierenden Betrachtung neigte, suchte er über die Einzelheiten hinweg zuerst zu einer grundlegenden Erfassung des Probleme zu gelangen und von hier aus dann die speziellen Fragen zu klären. Er dächte dabei eigentlich weit mehr an die eigene Orientierung als a;n die der Oeffentlichkeit und am. allerwenigsten an die Bedürfnisse der Breslauer Gemeinde, die ja durch das in ihr eingeführte Geigersehe Gebetbuch geregelt waren, wenn auch die schon im Bau begriffene Neue Synagoge die Revidierung des Gebetbuches für den in ihr einzuführenden Gottesdienst in den Bereich der Möglich^ keit; ja sogar der Wahrscheinlichkeit1 gerückt hatte. Geigers1 Abhandlung über den Gottesdienst war offensichtlich in: der Absicht geschrieben worden, hier einzuwirken und etwaigen Abänderungenin einem ihm rückschrittlich׳ dünkenden Geiste vorzubeugen. Joel sah in seiner ruhigen und vornehmen Art überdiese Tendenz״ hinweg und suchte sich der Kultusfrage rein wissenschaftlich, objektiv zu nähern: In seiner Schrift ,,Zur O r i en 11 e r ung i n d־e r Gultusf rag e,״ die er nach der Casseler Versammlung 1869 erscheinen ließ, bemühte er sich zunächst einmal den Begriff des Kultus klarzulegen und‘ dasjenige g e d a n k 1 i c 11 zu erfassen, was im Laufe der Zeit sich als geschichtlich erwiesen hatte. Diese philosophische Art der Betrachtung, die erst die Idee des 1 Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, 6. Jalirg. 1868, S. 1 ff., auch als Sondersohrift Breslau 1868 erschienen. 2 A. Z. d. J. 1868׳, Nr. 38—47.

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