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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 335

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Manuel Joel und die Kultusfrage
Date
1926-01-01
Page
Seite 335 (sequence 6)
Language
German
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335 und Autorität gewähre, einen festen Boden schaffe und zugleich verhüte, daß die Einheit des jüdischen Gottesdienstes zerrissen werde. Die neue Rabbinerversammlung habe den Zweck zu vereinigen, nicht aber noch mehr aufzulösen, zu vereinigen diejenigen, welche solches wünschen und bedürfen; für die Extreme links oder rechts bestehe sie nicht und arbeite sie nicht. Es gelte gemeinsam die Grundsätze für das Gebiet des Kultus festzustellen, die ja allen bekannt seien, und keine langen Verhandlungen benötigten, die Normen anzugeben und das nötige Material zu beschaffen, damit die Gemeinden genau wissen, was sie tun sollen, bereit und vor sich liegen haben, was sie brauchen, und nicht genötigt seien immer und immer herumzutasten, ohne doch eine nennbare Autorität anführen zu können. Ganz besonders rief Philippson die jüngere Rabbinergeneration zur Teilnahme auf, deren zukünftige Gemeinde in einem neuen Bildungsgeschlecht bereits im Anmarsche sei und von innen heraus, aus den neuen, in allen lebendig gewordenen Anschauungen über Welt und Judentum die Umgestaltung des Kultus fordern werde. Die beiden erstenZusagen,die einliefen, waren die von Levi Adler aus Cassel1 und die von Manuel Joel aus Breslau, jener ein Vertreter der älteren Rabbinergeneration, der schon an den früheren Rabbinerversammlungen hätte teilnehmen können, wenn ihm nicht die Teilnahme durch die bayerische Regierung — er war damals Rabbiner in Kissingen — verboten worden wäre, Joel aber tatsächlich als Vertreter des jüngeren Rabbinergeschlechts, an dessen Ausbildung er ja bis wenige Jahre zuvor 18154 selber am Breslauer Seminar mitgearbeitet hatte; Ihm mußte die Art, wie Philippson die Versammlung als ein Werk der Vereinigung und des Friedens unter Ablehnung der Extreme ankündigte, besonders Zusagen und sein lebhaftes Interesse äußerte sich denn auch in seiner sofortigen Bereitschaft zur Teilnahme. Wie er sich zu den einzelnen Beratungsgegenständen stellte, läßt sich nicht erkennen, da die Veröffentlichung der Protokolle der Versammlung wohl angekündigt wurde, aber nicht erfolgte2. Die Tagung fand vom 11. bis 13. August in Cassel statt, wurde jedoch in ihrer eigentlichen Arbeit, die doch der Kultus frage gelten sollte, stark durch die Erörterung der Synodal frage behindert, die unterdessen in der Oeffentlichkeit lebendig geworden war, so daß die Wichtigkeit und Zweckmäßigkeit einer von Rabbinern und Laien zu beschickenden Synode zunächst in den Mittelpunkt der Diskussion rückte. Zudem waren trotz der von Philippson gewünschten Begrenzung auch andere als Kultusfragen in den eingelaufenen Anträgen behandelt und endlich ließ sich in der Kultusfrage selbst eine Erörterung der Prinzipien durchaus nicht so vermeiden, wie jener es gedacht hatte, so daß es eine Zeitlang schien, als ob 1 Vgl. über ihn Jewish Encyclopedia I, 196 u. Kayserling, Bibliothek jüd. Kanzelredner 11, 222. 2 Eine Beschwerde darüber s. in Geigers Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, 7. Jahrg., 1869, S. 71. — Ein offizielle r Bericht über die Verhandlungen erschien als Beilage zur A. Z. d. J. 1869, Nr. 4, und gibt an, daß die Protokolle in Ermangelung eines Stenographen nur lückenhaft und ungenau niedergeschrieben und deshalb zur Veröffentlichung nicht geeignet seien.

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