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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 328

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Weltanschauung im Geistesspiegel M. Joels
Date
1926-01-01
Page
Seite 328 (sequence 5)
Language
German
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328 Erkenntnis dieser Tatsache wird von der Schrift als die höhere Stufe gesetzt, auf welcher Mose im Vergleiche zu den Erzvätern steht. Es ist eine schöne Antithese des Psälmdichters: ,,Denn die Götter der Heiden sind Nichtse (Elilim), der E w i g e aber hat die Himmel geschaffen/4 Die Nichtigkeit der heidnischen Götter besteht in dem Umstande, daß sie Wirkungen sind, nicht die Ur-sac.he, nicht das Ursein. Somit bedeutet Monotheismus im Verhältnis zum Heidentum nicht einen Zahlenimterschied, sondern einen Wesensunterschied1. Der biblische Gottesbegriff ist allerdings nicht der philosophische, konnte es auch nicht sein, aber er ist der weltgeschichtliche Keim zu einem wahrhaft philosophischen Gottesbegriffe. Nein! sagt man, denn eine ״absolute Persönlichkeit/4 wie das Judentum lehrt, ist ein Widerspruch in sich. Aber das ist nur ein bekanntes Vorurteil und eine Ueberhebung des Menschengeistes zu meinen, die Gottheit könne kein Selbstbewußtsein haben, keine Persönlichkeit sein, weil sie sonst nicht absolut sein könne. Will man damit sagen, daß das Wesen der Wesen nicht als höherer Mensch angesehen werden dürfe, so ist das die Lehre des Judentums gewesen von den Zeiten der Zehngebote an bis zu den Zeiten aller wahren Lehrer des Judentums, die uns warnen, den Schöpfer nicht unter dem Bilde des Geschöpfes zu. denken. Aus der menschlichen Schwäche aber, sich keine höheren Eigenschaften als die idealisierten menschlichen Eigenschaften denken zu können, darf man nicht folgern — und auch dafür beruft J. sich auf Kant — daß es keine höheren Eigenschaften überhaupt gebe.' Gott darf nicht im Ebenbilde des Menschen gedacht werden2. Gott ist nicht eine Summe oder eine Abstraktion von Naturkräften. Wenn Endliches an Endliches gefügt wird, so ist die Summe wieder ein Endliches. Aus der Annahme eines Urstoffes können wir nicht einmal das erste Auf dämmern einer Empfindung selbst im Tiere, geschweige denn im Menschen erklären. Das Judentum aber als Geistes religion erblickt im Menschengeiste eine gottentstammte Kraft, die mit ihren Fähigkeiten der Selbstentfaltung bis zum Höchsten, zu sittlichen Zwecken, gewissermaßen das Kunstwerk ist, dem der Meister seinen Stempel aufgeprägt hat. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat J. in seinen Predigten nichts so häufig und nachhaltig bekämpft als den Materialismus, den er bis in seine innersten Motive und bis in die entferntesten Schlupfwinkel verfolgt3. — Auch in den Wechsel vollen Ereignissen des Völkerlebexis, so launenhaft und willkürlich sie sich bisweilen ausnehmen, herrscht immanent Gesetz und Regel, so daß Weltgeschellen wie eine Reihe von Gottesurteilen uns .vorkommt. Im gewöhnlichen Leben redet man von Zufall, aber der: tief er Blickende glaubt nicht an den Zufall, ־weil er nicht an Worte glaubt, die keine 1 Zeitfragen, S. 76 ff. ־und Predigten I, S. 95. In der Abhandlung über den ,,Mosaismus und das Heidentum“, veröffentlicht aus!unterlassenen Auf- Zeichnungen Joels im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1904, S. 35 ff., wird auf S. 54 ff. die Einzigkeit und Undarstellbarkeit Gottes als das wesentliche Kriterium des Mosaismus bezeichnet. 2 Zeitfragen, S. 85 ff. und Predigten I, S. 63—64. *Predigten. I, S. 296 ff., II, S. 35 11. ö,

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