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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 326

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Weltanschauung im Geistesspiegel M. Joels
Date
1926-01-01
Page
Seite 326 (sequence 3)
Language
German
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326 Stimmung des Verhältnisses zwischen Unendlichem und Endlichem/'1 Solange Menschen existieren, haben sie die Augen erhoben zu etwas unsichtbar Sichtbarem, das sie nicht begreifen konnten und dennoch als vorhanden annehmen mußten. Die Erklärung dieses Etwas suchen und bieten die Philosophie und die Religion. Ob diese übereinstimmen? Darauf gibt J. die Antwort: ,,Eine Metaphysik, die das religiöse Bedürfnis nicht befriedigt, ist keine, denn sie hat nicht alle Wirklichkeit in sich auf genommen und erklärt. Eine Religion wiederum, die sich nicht ausweisen kann bei der Metaphysik, entzieht sich dem einzigen Richterstuhle, den Gott auf Erden für solche Dinge errichtet hat, der Vernunft/'2 Im Bilde ausgedrückt: Denken und Glauben sind nicht wie 2 Wagschalen, von denen immer nur die eine steigen kann, während die andere sinken muß, sondern sie sind 2 Lichter, deren eines im Verstände aufklärend wirkt, während das andere im Herzen erwärmt. — Was bedeutet nun eigentlich Religion? Wenn Kant sie erklärt als Erkenntnis aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote, so erhebt diese Erklärung die Religion nicht über den Begriff der Moralität, wie denn K. für die Lebensäußerungen der vorhandenen Religionen, die Naturwüchsigkeit des Kultus, kein Verständnis zeigt. Erst S chleiermacher hat das Wesen der Religion in einer Weise bestimmt, die für alle Zeiten maßgebend bleiben wird, ,,als eine besondere Anlage der Menschennatur, als die Richtung des Gemütes auf das Ewige, als das Sicheinsfühlen des Menschen mit dem Ewigen und Unendlichen". Ist sie sonach bloß ein innerer Gemütszustand, dem keine Wirklichkeit entspricht? Hat nicht der Weltweise von Königsberg erklärt, daß Zeit und Raum nur Formen der subjektiven Anschauung sind, während das Ding an sich nie Gegenstand erfahrungsgegebenen Wissens sein kann? Gewiß, aber seine Erklärung, daß wir mit unserer Erkenntnis nicht über das Gebiet möglicher Erfahrung hinauslangen, hat nicht bloß eine negative Seite. ,,Die positive Seite an derselben ist, daß mit Verwandlung der von uns erkannten Welt in eine bloß phänomenale das notwendige Korrelat, das übersinnliche Ding an sich, mitgesetzt ist."3 Gegenstand der Erkenntnis ist freilich, wie K. überzeugend gelehrt hat, nur das sinnlich Gegebene, existent aber ist dennoch auch das Uebersinnliche. Denn wenn nicht das Uebersinnliche an sich tatsächlich wäre, könnte es auch nicht als Erscheinung uns affizieren, auf uns wirken. Dadurch ist ,,der Religion der Boden bereitet, auf dem sie sich, ohne mit den Ansprüchen der Wissenschaft in Widerstreit zu geraten, anbauen kann 4. Zwei Wege sind es sonach, die den Menschen zu Gott hinführen können: Die Betrachtung der Außenwelt und die Betrachtung des Betrachters, der Menschenseele. Aach die Naturforschung muß 1 Daselbst S. 130. 2 Zeitfragen, S. 4. Vgl. Predigten aus dem Nachlaß, Bd. I, S. 120 ff. über Glauben und Wissen. 8 Zeitfragen, Abschnitt III, insbesondere S. 34ff. Vgl. auch Pfleiderer, Geschichte der Religionsphilosophie, 3. Aufl., S. 148 ff. und Jul. Guttm ann, Kants Gottesbegriff, S. 22, 4 Zeit fragen, S. 47.

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