Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 287

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Über die böhmischen und österreichischen Juden zur Zeit Maria Theresias
Date
1926-01-01
Page
Seite 287 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829940-2833367--46998-2833457
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

287 Der bei der Geburt bestehende Knabenüberschuß wird bald wett״־ gemacht, ja überkompensiert. Die Mädchen gelangen zur Ueberzahl. Berücksichtigen wir das Gesägte, so können wir schließen, daß bei den Juden die Uebersterblichkeit der Knaben geringer gewesen sein muß als bei Christen. Schwierig ist die Deutung der Zahlen in der Altersklasse 15—20 Jahre. Bei den Christen haben wir einen Anstieg des Geschlechtsindex zu Gunsten des weiblichen Geschlechtes, bei den Juden tritt das Gegenteil ein. Die Altersklasse 15—20 Jahre ist bei den Juden sehr mädchenaxm. Man könnte daran denken, daß bei den Christen die schon in frühem Alter einsetzende Berufsarbeit der Knaben zu starker Erhöhung deren Sterblichkeit um das Pubertätsalter und bald danach geführt hat, während bei den Juden dieser Faktor weniger in die Wagschale fiel. Große Unterschiede zwischen Juden und Christen nehmen wir hinsichtlich der Standes gliederung wahr. Von den 20- bis 40jährigen waren in Böhmen bei den Juden zirka 17%, bei den Christen 38% unverheiratet; von den 40—50jährigen bei den Juden 6 %, bei den Christen 8 %. Gleichsinnige Unterschiede bestehen auch in der höchsten Altersgruppe: 13 gegen 25 %. Viel günstiger als in Böhmen war die Standesgliederung in Mähren, wo von den 20—40 jährigen bei Juden nur zirka 5 %, bei den Christen 22 % als unverheiratet konsigniert wurden. In den anderen Altersstufen decken sich die Zahlen der mährischen und böhmischen Juden. Anläßlich der bereits erwähnten Untersuchung über die gesundheitlichen Verhältnisse um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts verglich ich auch die Sterblichkeitsziffern der kleinen Wiener Judengemeinde mit denen der christlichen Bevölkerung. Ich verwendete hierzu die im Archiv des Wiener Rathauses aufgehobenen Toten- Protokolle u. zw. für die Juden aus den Jahren 1748 bis 1755, für die Gesamtbevölkerung aus den Jahren 1752 bis 17551. Wien zählte im Jahre 1754 175403 Einwohner und beherbergte nach dem Namens- Verzeichnisse vom Jahre 1753 452 Juden. (Arch. d. M. d. J. IV T. 11 N.-Ö.) In den Jahren 1748—55 starben in Wien 69 Juden. Die Jahreszahl schwankte — wie bei einer so kleinen Menschengruppe selbstverständlich — sehr erheblich; am größten war sie in den Jahrein 1752 und 1753, Im Durchschnitt der 7 Jahre2 hatten die Juden 1 Die alten Totenprotokolle der Stadt Wien waren, so weit sie Juden tangieren —schon einmal Gegenstand der Bearbeitung. Sie sind von Schwarz in seiner Monographie wie in der Zeitschrift f. Demographie und Stat. des Judentums verwendet worden. Es handelte sich dort um die Mitte des XVII. Jahrhunderts. In Ermangelung entsprechenden VeTgleichsmateriales können aus diesen Auszügen leider keinerlei Schlüsse gezogen werden. 2 Mit Rücksicht auf die öfteren, durch politische Maßnahmen hervorgerufenen Aenderungen in der Größe der Wiener Judengemeinde ist die Verwertung eines größeren Zeitraumes nicht opportun.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.