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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 288

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Über die böhmischen und österreichischen Juden zur Zeit Maria Theresias
Date
1926-01-01
Page
Seite 288 (sequence 5)
Language
German
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:288 ־ eine Mortalität von 18,9 %0 (Männer 19,3, Weiber 17,3 %0)♦ ״■Dies * sind sehr günstige Zahlen! Die Wiener Gesamtbevölkerung hatte ״damals nach meinen Berechnungen eine Sterblichkeit von 33 %0, -also beinahe doppelt soviel wie die Juden. Eine genaue Altersgliederung der damaligen Wiener Juden ist uns leider nicht bekannt. Es kann aber keinesfalls in der differenten Altersschichtung liegen; wenn bei der Gesamtbevölkerung 63 % aller Verstorbenen, bei den Juden dagegen nur 37 % der Toten auf das Alter 0—14 Jahre* wenn bei der Gesamtbevölkerung 40,4 % und, bei den Juden nur 17,3 % aller Verstorbenen auf das erste Lebensjahr entfielen.; Wir haben oben auseinandergesetzt, daß die Juden kinderreicher waren als ihre Wirtsvölker. Nehmen wir an, daß die im Wiener Juden Verzeichnis des Jahres 1753 als Kinder angeführten Individuen im Alter von 0—14 Jahren standen und daß sämtliche Berufstätige und Ha ushaltungs Vorstände das 15. Lebensjahr überschritten haben, so gehörten 31 % aller Wiener Juden in die Altersklasse 0—14 und 69 % waren über 14 Jah^alt. In der Wiener Gesamtbevölkerung war die entsprechende Verteilung nach dem Ergebnis vom Jahre 1754 25 und 75 %. Daraus geht hervor, daß unsere Mortalitätsziffern nur im Sinne einer sehr günstigen Säuglings- und Kindersterblichkeit der Wiener Juden gedeutet werden können. Für die 0—14jährigen der Wiener christlichen Bevölkerung berechnete ich eine Mortalität von 82 %0. Die gleichalterigen Judenkinder dürften einen Jahres Verlust von nur 19 %0 gehabt haben. Die Sterblichkeit der christlichen Kinder dürfte rund viermal so .hoch gewesen sein wie die der Judenkinder. In diesen Zahlen kommt die Bedeutung der besonderen Sorgfalt, mit der jüdische Mütter .und Eltern ihre Kinder behandelt und gepflegt haben, zur Geltung* Jenseits des Pubertätsalters vermissen wir diese Unterschiede. Für die Gesamtzahl der über 15jährigen wäre die Mortalität bei den Juden mit 17, bei den Christen mit 16 °/00 zu berechnen. Aus diesen Zahlen ist mangels genauerer Einsicht in die Altersgliederung der über 14־ oder 15jährigen nicht zu schließen. Unter den Todesursachen fällt uns die Seltenheit der Tuberkulose auf1. Unter den 69 Fällen waren־ nur 7, eventuell 8 Fälle* die mit Sicherheit als Tuberkulose ״gedeutet werden könnten. Also nur 10 bis 12 % der Sterbefälle, während bei den Christen jeder vierte Todesfall auf das Konto der Tuberkulose zu buchen war. Die Juden hatten nach diesen Zahlen eine Tuberkulosemortalität von 19,2 °/000, die Nichtjuden von 25,7 °/000״ In der Kindergruppe hatten die Juden eine Tuberkulosemortalität von 2 bis zirka 3 %, die christliche Bevölkerung von über 10 %. — Die Juden hatten nach unserem Material schon im XVIII. Jahrhundert eine;viel günstigere Tuberkulosesterblichkeit ais ihre Nachbarn. 1 Was als Tuberkulose gedeutet wurde, kann ich hier nicht auseinandersetzen. Siehe meine bezüglichen Ausführungen in Zeitschrift für Hygiene * Bd. 90, S. 253 u. 254.

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