Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Pappenheim
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 3)
- Language
- German
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279 Die im Gräflich Pappenheimschen Archiv vorliegenden, noch unveröffentlichten Originalurkunden lauten1: Urkunde vom Jahre 133 0. Wir Ludowig, von Gottes Genaden römischer Keyser, zu allen Ziten merer dez Richs veriehen offenlich an diesen Brief, und tun Kunt, allen den, die diesen Brief ansehent, hörent oder lesent. Daz wir dem vestem Manne, Rudolfen dem Marschalch von Bappenheym, und seinen Erben, unseren lieben getreuen durch der getanen Dienst willen, die er und sin vordem, uns, und dem Riehe getan habent, und noch tun möchten, haben die sundern Gen ad getan und verlihen, und tun mit diesem Briefe, daz er die Juden unser Chamer Knechte haben und halten mach, zu Bappenheym, in aller wis, als *er her getan hat, nach der Briefsag, die wir im vor auch darüber geben haben und die wir im statten mit diesem Briefe, den wir im dar über gehn haben mit unserm Gheyserlichen jnsigel besigelten. Der Brief ist geben zu SPir .an dem Vritag nach sant Vitstag, do man zalt von Christus Geburt, driezehen Hundert iar, darnach in dem Drizzigsten Jar. In dem Sechzehenten Jar unseres Riehes, und in dem dritten des Chaysertumes. Urkunde vom Jahre 133 4. Wir Ludowig von gotsgnaden römischer Keyser ze allen Ziten merer dez Richs verjehen offenlich an disem brief und thun chunt allen den die in sehent oder hörent lesen, daz wir gehöret und gesehen haben, diu Recht, Gnad und Freyung die ein Marschalk von Pappenheym, von unsern vorvaren, hunigen und keysern, und von uns und von dem Reich, von dez Amptz wegen habent, und gehabt habent. Von erst, daz er niemant ze recht sol stan, dann vor dem reich oder swer dez Reichs Pfleger ist, man mag auch chain seinen Man für chain ander gericht laden, dann für sein gericht er wolt dann von;seinen Läuten selbst nicht richten. Er mag auch auf dem seinen pawen, Vesten, Weyer, Mülen, Tavern, oder swaz im nützlich ist; lind daz in daran niemant irren soll. Es sol auch chain Stat, chain seinen aygen Mann innemen, noch chain seinen gewissen Lantsezzen vor dem zil, an ob der Lantsäzz seinen zil volsäzz, und mit seinem Wort und willen von im fuer. Swaz auch Juden pey im gesezzen sind, die mag und soll er schirmen, und sol niemant mit den selben Juden fürbaz ze schaffen oder ze tun haben, dann er selb und hat auch dem Teich, noch seinen Amptmann, davon nicht ze antworten. Er mag und sol auch geleit geben, von dem Galgen ze Maunhaym bis hintz dem chreutz ze Wizzenburch. Er hat auch von dem reich Kuppelwayd, von der Prukk ze *Sulnhofen vntz an die Prukk ze Pubenheym. Er mag auch daz Wilt jagen in Weizzenburger Vorst, daz er daran wider niemant tut, noch getan sol haben, und dieselben recht, gnad und Freyung bestätigen wir dem vesten Mann, Rudolphen dem Marschalk, unserem lieben getreuen, Heinrichen seinem Sun, und allen iren erben, mit diesem gegenwärtigen brief darüber zu Urkund;geben wir in besiegelten, mit unserm keyserlichen Insiegel, der geben ist zu Nürenberg an Pfintztag nach dem weissen Suntag, nach Christi Gepurt dreuzehenhundert iar, darnach in dem vierden und dreizzigsten iar, In dem zwanzigsten iar unsers Reiches und in dem zehenden des keyserthums. Noch größere Gunstbezeugungen auf Kosten der Juden gewährte der Nachfolger Ludwigs, Kaiser Karl IV., den Pappenheimer heim, Pietenfeld, Hohentrüdingen), so darf für Pappenneim, das schon um 1200 cives kennt und 1288 die Rechte der Stadt Weißenburg erhält, mindestens :schon für das 13. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde unter dem Schutz der Reichserbmarschälle angenommen werden. — Emden, der letzte Rabbiner von Pappenheim, ist identisch mit dem im Memorbuch von Pappenheim ge״ nannten Chajim Josef b. Jechiel und starb 1848, 94 Jahre alt; ergänze danach Weinberg, Untersuchungen über das Wesen des Memorbuchs, S.-A. aus d. Jahrb. d. jüd. liter. Gesellschaft, Frankfurt 1924, S. 28. Die Gemeinde zählt mach dem Handbuch der jüd. Gemeindeverwaltung 1924/25 jetzt nur noch 11 Seelen. 1 Gräflich Pappenheimisches Archiv, Lade 97; Neuburger Kopial-!Bücher XX im Reichsarchiv München.