Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 5)
- Language
- German
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275 nach einer wissenschaftlichen Auffassung Osiris bezeichnet) mittelbar mit Osiris. In der Aggada von Josephs Sarg und im Osirismythus herrscht dieselbe Stimmung: verzweifeltes Suchen, Angst um den Entschwundenen, Jubel und Jauchzen über das Auf finden. Schlechthin entscheidend, jeden Zweifel verscheuchend erscheint mir die Uebereinstimmung der beiden Sagen in dem anscheinend bedeutungslosen Zug: im dreitägigen Suchen1. Für die Josephssage hat dieser Zug tatsächlich gar keine Bedeutung. Er erklärt sich nur aus der Uebernahme. Im Osirismythus gehört er zu den wesentlichen Bestandteilen. Osiris ist auch Mondgott2. Der Mond bleibt allmonatlich drei Tage lang unsichtbar, also tot. Nach drei Tagen wird er wieder sichtbar, er ersteht vom Tode. Deswegen findet auch Osiris* Auferstehung nach drei Tagen statt. Frazer bietet uns eine Fülle von Sagen, in denen der Mond als Vorbild von Sterblichkeit und Auferstehung gilt: die Menschheit kommt um die Gabe der Unsterblichkeit, weil die Botschaft des Mondes an die Menschen vergessen oder verfälscht wird3. Osiris ist aber nicht nur Mondgott, er ist auch Nilgott. ״Nilerde ist sein Leib und Nilwasser sein Blut/* Für ihn bedeutet das Versenken im Nil nicht nur den Tod, sondern auch die Wiedergeburt4 Sein Leichnam ist also im Nil am rechten Platze. Was aber hat Josephs Sarg mit dem Nil zu schaffen? Eigentlich nichts. Da setzt nun die Aggada erklärend ein, die älteste in der Mechiltha noch nicht, wohl aber schon die talmudische Aggada (B. Sota 13 a) ארון של מתכת עשו לו מצריים וקבעוהו בגילום הנהר כדי שיתברכו מימיו. Die Aegypter bargen Josephs Leichnam in einem Erzsarg und versenkten ihn in den Nil, damit dessen Gewässer dadurch gesegnet werden. Ueberaus beliebt wurde die Aggada vom Sarg Josephs in der mohammedanischen Legende. Die treffliche Budapester Doktordissertation Eduard Neumanns über den Ursprung und die Ent- Wicklung der mohammedanischen Josephslegende sowie M. Grünbaums Beiträge zur semitischen Sagenkunde5 haben reiche Parallelen aus den Koranerklärungen (Zamachschari, Baidävi) aus Chronisten 1 Betreffs der Dauer des Herumirrens heißt es Deutr-K,. XI zweimal, Moses habe drei Tage und drei Nächte hindurch den Sarg Josephs gesucht, bis ihn Serach bath Ascher auf die richtige Spur lenkt. Bei Plutarch (D. Iside 356 C) lesen wir, Osiris sei am 17. des Monats Athyr in den Nil gestürzt worden und am 19. Athyr feiern die Priester seine Wiederauffindung (366 F.). Demnach ist er am dritten Tage auferstanden, wie dies auch Greßmann (Tod und Auferstehung des Osiris, Leipzig 1923, S. 4) scharf hervorhebt, Isis mußte ihn also drei Tage lang gesucht haben. 2 Hugo Greßmann, Tod und Auferstehung des Osiris. Leipzig 1923. S. 5, 9. 3 Sir James George Frazer, Folk lore in the Old Testament. London 1919, I 52—77, besonders 55, 71, 72, 73. Klingt eine derartige Anschauung vielleicht auch Hosea 62 ביום השליש* יקימנו ונחיה לפניי nach? Vgl. auch II Könige 205 sowie das dreitägige Verweilen Jona’s im Innern des Fisches. 4 Greßmann, S. 8. Neumann Ede, A muhammedan Jözsefmonda eredete ös fejlöddse. Budapest 1881. M. Grünbahm, Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde. Leiden 1893, S. 149—152. 18*