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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 274

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
Date
1926-01-01
Page
Seite 274 (sequence 4)
Language
German
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274 Ueber diese Entwicklung bietet uns eine Fülle und Ueberfülle von Belehrung das Schlußkapitel in Jakob Horovitz's Buch über die Josephserzählung1. Horovitz verbindet gewissenhafte Kenntnis der heutigen Forschung mit einer wunderbaren Belesenheit in der hebräischen Literatur aller Zeiten, sowie mit viel Geist. Jedoch sein Urteil erscheint mir oft allzu scharf. Sein Schlußkapitel ist gegen Güdemann gerichtet. Dennoch glaube ich, daß Güdemanns These voll aufrecht zu erhalten ist. In ihrem Lichte wollen wir die Ent- Wicklung der Josephssage betrachten. Die letzten Worte der Genesis berichten, wie der Leichnam Josephs in einen Sarg gelegt wird. Beim Auszug aus Aegypten wird dann erzählt (Ex 1319), Moses habe diesen Sarg mit sich genommen. Doch wo war dieser Sarg vier Jahrhunderte hindurch geborgen? Im Nil —, schallt uns die Antwort der Aggada vielfach entgegen. Diese Erfindung der Aggada hat Güdemann geistvoll beleuchtet, indem er sie ins Licht des Osirismythus rückte2. Osiris wurde von seinem feindlichen Bruder Tryphon in einer Kiste in den Nil geworfen. Man zieht aus, ihn zu suchen3. Voll Angst und Jammer irrt Isis auf der Suche nach dem Leichnam umher, bis sie nach drei Tagen den schwimmenden Sarg findet. Nach diesem Vorbild läßt die Aggada den Sarg Josephs in den Nil versenken, läßt Moses drei Tage und drei Nächte umherirren, um Josephs Leichnam zu suchen und läßt diesen ebenfalls durch ein Weib, durch Serach, Tochter des Ascher, auffinden. Horovitz bestreitet die Abhängigkeit der Aggada vom Osirismythus. Er meint, die Aggada erkläre sich ganz aus sich selbst. Gewiß ist es Horovitz (S. 129—132) gelungen, ein lebhaftes Bild von Serach in der jüdischen Legende zu entwerfen und einige Züge aus dem Schriftwort (Num 2640) abzuleiten. Gewiß hat er (S. 142) auch darin recht, daß biblische Ausdrücke wie והעלתם את״עצמתי מזה (Gen 5025) oder ואת עצמות יוסף אשר העלו כני ישראל (josua 2432) die Vorstellung begünstigten, Josephs Gebeine seien aus der Tiefe (des Nils) emporgestiegen. Doch dadurch wird Güdemanns scharfsinnige Aufstellung nicht im mindesten erschüttert. Horovitz (S. 121—125) selbst führt Berührungen der Aggada mit dem ägyptischen Mythus an. Die wesentlichste hat bereits Güdemann (S. 28, 29) erörtert: in der Barajta Bab. Aboda Zära 43a heißt es פר אפים על שם יוסף שסר ומפיס את כל העולם כולו Sarapis bezeichne niemand anderen als Joseph, der die Welt versorgt und beruhigt habe, — eine Auffassung, die Güdemann sogar bei Suidas nachweist. Derart wird Joseph mit Sarapis gleichgesetzt und (da Sarapis sogar 1 Jakob Horovitz, Die JosephseTzählung. Frankfurt a. M. 1921. Osiris im Midrasch? Die haggadischen Ueberlieferungen über das Grab Josephs, S. 120—146 156—154 ל. Die Parallelen der Legende in der Aggada aufgezählt, S. 126. 2 Dr. M. Güdemann, Religionsgeschichtliche Studien. Leipzig 1876. Joseph Osiris. S. 26—40. 3 Hugo Greßmann, Tod und Auferstehung des Osiris nach Festbräuchen und Umzügen. Leipzig 1923, S. 61.

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