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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 276

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
Date
1926-01-01
Page
Seite 276 (sequence 6)
Language
German
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276 -iind Geschichtsschreibern (z.B.Tabari, Ibn al Athlr, Mas'üdi, MakrizI, Birünl, Dimischki, Jakübi) zusammengestellt, Parallelen, die durch den seither veröffentlichten Kommentar TabarPs sowie durch die .Prophetengeschichten u. A. mannigfach ergänzt werden können1. Nun geht die islamische Legende, wie sie uns heute in zwei Fas-;sungen vorliegt, einen Schritt weiter. Sie verwertet das, wie es scheint, mohammedanische Motiv vom schwebenden Sarge2: Um den Segen, den Josephs Sarg spendet, wetteifern die beiden Ufer des Nils; der Streit wird derart geschlichtet, daß der Sarg in der Mitte zwischen den beiden Ufern versenkt wird. Diesen Zug hat uns eine Berliner Handschrift sowie Al-Kisä‘1 bewahrt, vielleicht auch Tha'libl, der der in seinen Prophetengeschichten (Kairo 1320, S. 89) erzählt, der Sarg Josephs sei dort versenkt worden, wo sich der Nil entzwei teilt. Die mohammedanische Legende hat dann Eingang gefunden in die jüdische Sage. Vielleicht schon ins Sefar hajjaschar, wo es (Ende Genesis) heißt:!וישימו את יוסף בארון אשר מלא בשמים וכל מצשד רוקח ויקברוהו על שפת היאור הוא שיחור. den einbalsamierten Leichnam Josephs begrub man am Ufer des Nils. Daß dieses Motiv vom in der Mitte des Flusses versenktem Sarge in jüdisch-arabischen Kreisen bekannt sein mußte, ist daraus ersichtlich, daß es vom Sarge Josephs auf den Sarg Daniels übertragen wurde. Diese Uebertragung wird in Susa stattgefunden haben, da die Juden Susas auf Grund der biblischen Erzählung (Dan 82) glauben mochten, sie besäßen ein näheres Anrecht auf den Sarg Daniels, der ja auch in seiner Vision nach Susa versetzt worden sei. Derart bietet uns die Legende vom Sarge Josephs und Daniels ein anschauliches Beispiel für das Zusammenwirken biblischer, ägyptischer, aggadischer, mohammedanischer und mittelalterlichjüdischer Motive zu gemeinsamer Sagenbildung. 1 Horovitz (8. 137) weist einen Zug der mohammedanischen Legende, welcher aggadisch nicht belegt war ,imMidrasch haggadol naeh. BirünT erzählt, Moses versuchte den versenkten Barg erst mittels der Figur eines Fisches zu heben, — vergeblich; mit Hilfe der Figur eines Kalbes gelingt es. Jak’ubi läßt hierbei die Figur eines Adlers, eines Löwen, eines Stieres, eines Menschen (also der vier Tiere an dem Gotteswagen der Ezechielsvision) anwenden. Horovit-z weist auf die großartige aggädische Parallele im Midrasch haggadol (Genesis ed. Schechter 771) hin: Moses nimmt den Zauberbecher Josephs und schneidet daraus vier Platten, auf die eine gräbt er die Gestalt eines Löwen, auf die zweite die eines Adlers, auf die dritte die eines Stieres, auf die vierte die eines Menschen ein. Zuerst wirft er die Platte mit dem Löwenbild in den Nil und ruft: Joseph, Joseph, da ist sie nun, die Stunde der Erlösung Israels, deinetwegen ist die Herrlichkeit Gottes (Schechma), sind die Ehren wölken aufgehalten; zeigst du dich, so ist es recht; entziehst du dich uns, nun so sind wir frei von dem Eid, den wir dir geschworen. Der Sarg regt sich weder beim ersten, noch beim zweiten, noch beim dritten Wurf und Kuf; erst als Mose die Gestalt eines Menschen in den Nil wirft, steigt der Sarg auf. — Das Magische dieser Heraufbeschwörung des Sarges bespricht A. Marmorstein in ZATW 1925, XLIII S. 120. 2 Wir haben MGWJ 1925, LXIX 'S. 51, 52 den schwebenden Sarg als eigenartig muhammedanisches Motiv behandelt. Die jiidisch-muhammedanische Polemik weist wiederholt auf Mohammeds schwebenden Sarg hin, s. Steinschneider, Polemische und apologetische Literatur in arabischer Sprache, zwischen Muslimen, Christen und Juden. Leipzig 1877, S. 310, 311, 371.

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