Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 3)
- Language
- German
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273 ׳!natürlich diese Schreibart nicht. Neben deni Toten Meere wird die Salzsäule gezeigt, in die Lots Weib .verwandelt wurde; das Weidevieh lecke gerne daran, doch allemal wachse die Lücke nach. Weites Gebiet öffnet sich der Legendenbildung in Jerusalem. ׳ Hier begegnen wir auch einem namentlich hervorgehobenen Sageni traderiten: Abraham, dem Frommen, dem Asketen, der sich in Trauer um Zijjon kasteit. Dieser Abraham genießt auch das Zutrauen des Patriarchen, er wird in das Geheimnis hineinbezogen, als christliche Arbeiter auf das Grab Davids und Salomos und der , Könige Judas stoßen, die Krone und das Zepter Davids sowie ver- schlossene Schränke finden, aber von grauenhaften Stimmen betäubt werden; der Patriarch berät sich. mit Abraham dem Frommen und Maßt die Zugänge zu den geheimnisvollen Gräbern verschütten. All dies erzählt Abraham unserm Benjamin. Im Libanontale sieht Benjamin ,,salomonische“ Bauten, welche, mach dem Volksglauben, von Aschmodai aüfgeführt sein müssen. ״Zuweilen fließt Jüdisches und Muhammedanisches ineinander: der Abbasidenkalif erscheint bewandert in der Lehre Mosis, in der heiligen : Sprache und Schrift, der Exilarch wieder als von Muhammed eingesetzt, In Ispahan lernen wir einen zweiten Gewährsmann Benjamins mit dem Namen kennen: es ist R. Moses, der ihm fabelhafte Kämpfe der Perser schildert, unter anderem auch den Einfall iii Persien von wundersamen Menschen mit zwei Gesichtern, die an Stelle der Nase nur zwei Löcher haben. (Ed. Grünhut S. 77). Da stehen wir nun schon ganz auf dem Boden des Märchens, ähnlich wie bei der Erzählung von den Toten, die heimkehren, um ihre Schulden abzutragen (S. 86) oder von den Menschen, die sich auf dem Rücken des Vogels Greif übers Meer tragen lassen (S. 87). ( Ueberaus reich sind die angeblich der Vorzeit entstammenden Denkmäler. Die Sage wird niemals verlegen, sie kennt alles, sie findet alles: Abrahams Haus und Brunnen; Elijahus Höhle; Achabs Palast in Samaria; das Zimmer, in dem Daniel betete; den Ofen, in den Chananja, Mischael, Azarja geworfen wurden; die Tora, welche Ezechiel für seine Verbannungsgenossen geschrieben. Besonders geläufig sind der Volks Vorstellung die berühmten Gräber. Alles wird auf gefunden: die Höhle Machpela mit allen ihren Gräbern, das Grab Rachels, Josephs Grab bei den Samaritanern, das .Grab Baraks ben Abinoam, die Gräber der meisten Propheten, der Könige in Palästina und in Babylon, das Grab Ezras, die Gräber der Tannaiten und Amoräer, der berühmtesten Gaonen (von den Gräbern der Letzteren durfte manches auch historisch sein). In den Kreis dieser Volksüberlieferungen gehört auch der Bericht Benjamins über den Sarg Daniels. Die Entwicklung der Sage vom Sarge Josephs« Mit Benjamins Bericht über den Sarg Daniels wird eine längere Sagenentwicklung abgeschlossen oder, genauer: die abgeschlossene Entwicklung der Sage vom Sarge Josephs wird auf den Sarg Daniels übertragen. Monatsschrift, 70. Jahrgang 18