Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 2)
- Language
- German
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272 Aegypten, von Dürre heimgesucht ward. Da wandte sich der König an Ephrajim, er möge seines Vaters Sarg in Aegypten beisetzen. Ephrajim willfahrte dieser königlichen Bitte. Die Folge davon war, daß jetzt Aegypten die Fülle des Segens genoß, während das andere Ufer dorrte und darbte. Endlich wurde der Sarg Josephs mitten in den Nil versenkt, damit beide Ufer seines Segens teilhaftig werden. Dort blieb der Sarg, bis ihn Moses mit sich nahm und neben seinem Vater Jakob beisetzte. Sagen- und Märchenhaftes in Benjamins von Tudela Reisebericht. Zunz verdanken wir die treffliche Zweiteilung, daß in Benjamins v. T. Werk ״die geschichtlichen und geographischen Daten sich bewähren, die Fabeln aber nicht ihm, sondern seiner Zeit zur Last fallen“1. Anders gefaßt bedeutet dies: Benjamin berichtet stets treu; treu berichtet er die Tatsachen, die er sieht, erlebt, treu auch die mannigfachen Sagen und Märchen, die man ihm erzählt. Ich möchte hierin nicht eine Entschuldigung für Benjamin suchen, vielmehr darin ein weiteres Verdienst seines Werkes erblicken. Von den 248 Namen der nennenswerten Männer, denen er von Navarra bis an die Grenze Persiens in drei Erdteilen begegnet, bedeuten uns die meisten kaum etwas. Hingegen bieten uns die Sagen, die ex aufzeichnet und die in vielen Fällen nur durch ihn bezeugt sind, ein lebendiges Bild von der Anschauung seiner Zeitgenossen. Außerhalb Roms wird ein Palast gezeigt, in den Titus von seinen 300 Räten (Senatoren) verbannt worden sei, weil er Jerusalem erst nach dreijähriger Belagerung einnahm, während sie ihm nur zwei Tage für die Belagerung angesetzt hätten. Die Juden von Rom erzählen ihm, in der Kirche des Protomartyrs Stephanus stehen zwei Erzsäulen aus dem TempeL Salomo's, auf denen eingegxaben sei: ״Salomo Sohn Davids“ und die jeden 9. Ab schweißtriefend gefunden werden. Auch eine Höhle stehe dort, in welcher Titus die Schätze des geplünderten Heiligtums bewahrt habe, ferner eine andere Höhle, wo die Gebeine der zehn Märtyrer aus dem Hadrianischen Kriege bestattet seien. In Sorrento wird unserm Benjamin vorgefabelt, die Stadt sei von König Hadar'ezer gegründet worden, als er (nach II Sam 8) vor David flüchtete; auch Romulus habe aus Furcht vor David und Joab 15 Meilen lange Katakomben angelegt. Sobald Benjamin den Boden des Islam betritt, häufen sich Sagen und Märchen, vorzüglich im Heiligen Lande, wo Juden, Christen und besonders Muhammedaner um die Wette an der Sagenbildung mitwirken. Allerdings, Benjamin verkehrte meist mit Juden, doch diese Juden standen in lebhafter Fühlung mit Ihren christlichen und muslimischen Landsleuten. In Benjamins geschichtlich bedeutsame Nachrichten über die Samaritaner mischt sich die böswillige Erfindung, die Samaritaner schreiben Abraham ohne -ה, Isak ohne 1ח, Jakob ohne *V, ihnen gehe הוד, חסה ענוה Würde, Huld und Demut ab, — die sama- Titanischen Handschriften, welche Gall's Ausgabe verzeichnet, kennen 1 Zunz, Gesammelte Schriften I, 164.