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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 271

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg
Date
1926-01-01
Page
Seite 271 (sequence 1)
Language
German
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271 Die Sage vom Sarge Josephs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg. Von Bernhard Heller in Budapest. Als merkwürdigstes Beispiel aus dein jüdischen Schrifttum für das Motiv vom schwebenden Sarg haben wir oben (MGWJ 1925, LXIX S. 51) eine Stelle aus dem Reisebericht Benjamins von Tudela angeführt. Hier wird der Sarg Daniels in der Stadt Susa bewahrt. Lange Zeit hindurch auf dem Ufer des Tigris, wo die Juden in Wohlstand leben. Die ärmeren Bewohner des andern Ufers schreiben diesen Wohlstand des gegenüberliegenden Stadtteils dem segenspendenden Sarge zu. Auch sie wollen dieses Segens teilhaftig werden und setzen es durch, daß der wundertätige Sarg abwechselnd ein Jahr auf dem rechten, ein Jahr auf dem linken Ufer verbleibe. Doch der Schah Sandschar sieht in dieser jährlichen Ueberführung der Ueberreste Daniels eine Verletzung jener Ehrfurcht, die dem Propheten gebühre. Auf sein Geheiß mißt man die Tigrisbrücke ab, genau in der Mitte wird der gläserne Sarg auf Ketten herabgehängt und darüber eine Andachtsstätte erbaut, in welcher Juden und Nichtjuden ihr Gebet verrichten. Man gewinnt hier den Eindruck, daß dieser Bericht durch sein Gepräge zur Sage gestempelt sei und sich durch die Andachtsstätte für Juden und Nicht juden als jüdisch-muhammedanische Legende verrate. Dieser Eindruck wurde mir zur Gewißheit, seitdem ich die Vorlage für diese Legende gefunden habe. Sie wird uns in einer versprengten Fassung der Josephslegende geboten, wie diese in einer arabischen Handschrift der Berliner Nationalbibliothek bewahrt wird. Ueber deren Inhalt erfahren wir von Ahlwardt1: Josephs Sarg ,,zieht so viel Segen an sich, daß das Land diesseits des Flusses üppig gedeiht, während das angrenzende Land jenseits desselben Mißernte und Hungersnot hat. Schließlich wird das Abkommen getroffen, daß der Sarg in den Fluß versenkt wird und so beiden Teilen zugute kommt. Endlich zur Zeit des Moses kommt er durch diesen in seine Heimat zurück und wird neben seinen Vater Jakob beigesetzt.“ Diese gar zu knappe Inhaltsangabe können wir nach Al-Kisä! ergänzen, dessen Prophetengeschichten nunmehr im Druck vorliegen2. Al-KisäÜ erzählt ausführlicher: Joseph bekehrte die Aegypter zum wahren Glauben (Islam). Darum mußte ihn der König, so beliebt Joseph auch war, des Landes verweisen. Joseph ließ sich am Nilarm von Fajjüm nieder. Dort wurde er auch be~ graben, am Ufer des Nils, das gegen die Wüste zu lag. Und nun welches Wunder! Die Wüstengegend, wo Joseph begraben war, blühte in Fruchtbarkeit auf, wohingegen das andere Ufer, das eigentliche 1 W. Ahlwardt, Verzeichnis der arabischen Handschriften der König* liehen Bibliothek zu Berlin. VIII. Band (XX. Bd. der ganzen Beihe, Berlin 1896, S. 7, Nr. 8960. 2 Vita Prophetarum anetore Muhammed ben Abdallah Al־Kisäc1, ed. Dr. Isaac Eisenberg. Leiden 1922. I. 178, 179. .

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