Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 9)
- Language
- German
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269 Antworten an: 1. Die beiden Probleme sind im Grunde doch nicht so einander ähnlich, daß die Rabbinen, die dort widersprechen, hier nicht zustimmen könnten1. 2. Mäimuni hat vielleicht im Talmud eine andere Lesart Vorgelegen. 3. Die anfechtbare Entscheidung in Mischne Tora dürfte auf einem Schreibfehler beruhen; אינו wäre zu streichen und ניתו על כגד טמא טעון כמם zu lesen. R. Abraham di Boton gibt in seinem Lehern Mischne der ersten Antwort den Vorzug, deren Richtigkeit er in geistvoller Dialektik zu erhärten sucht. Diese ganze Erörterung ist überaus merkwürdig. In ‘Edujot VIII 4 bekundet nämlich Jose ben Jo'ezer, daß Opferblut für hierologische Unreinheit gar nicht empfänglich ist. Es scheint, daß sein Zeugnis auf Widerspruch stieß; denn die Mischna spricht wiederholt von unreinem Opferblut. So in P'sahim VII 7 und so auch in Z'bahim VIII Ende. In P’sahim 16b führt der bab. Talmud einige Beispiele aus der Baraita an, in denen ebenso von Unreinheit des Opferblutes die Rede ist, und bemerkt dazu ausdrücklich, daß sie zu Joses Bekundung in unversöhnlichem Gegensätze stehen. Es ist klar, daß die ganze Frage, ob ein unreines Kleid der vorgeschriebenen Waschung bedarf, wenn Blut vom Sühnopfer darauf gefallen, nur unter diesem Gesichtspunkte einen Sinn hat, aber völlig in sich zusammenbricht, ja von vornherein gegenstandslos ist, sobald wir mit Jose ben Jo'ezer annehmen, daß Opferblut überhaupt nicht unrein werden kann. Nun aber entscheidet Maimuni in פסולי הםוקדשין I 36 wie auch in פוםאתיאוכרץ X 16 nach Joses Zeugnis, es wird daher die Altarfähigkeit des Blutes durch keinerlei Berührung mit Unreinem irgendwie in Frage gestellt, woraus sich zweifellos ergibt, daß die dritte Antwort des R. Josef Corcos die einzig richtige ist und wir es hier mit einem Schreibfehler zu tun haben, den der Verfasser des Lehem Mischne mit großem Aufwand von Scharfsinn vergebens zu verteidigen sich bemüht. Daß solche Leuchten der rabbinischen Wissenschaft, Maimunis bewährteste ,,Waffenträger", dieses Argument übersehen konnten, ist um so auffallender, als die Diskussion über Joses Bekundung im bab. Talmud einen so breiten Raum einnimmt, daß sie sich selbst unsereinem tief und unverlierbar ins Gedächtnis prägen muß2. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Aufmerksamkeit auf eine andere Stelle in Kesef Mischne und Lehem Mischne lenken, die mir noch befremdlicher, ja geradezu rätselhaft erscheint. Das 1 Corcos begnügt sich mit diesem Hinweis, ohne den Unterschied zwischen beiden Fragen auch nur anzudeuten. Er ist leicht zu erraten. Das Sprengwasser übt seine Wirkung, wenn es auch nur die Körperhaut benetz t* das Blut des Sühnopfers aber erst dann, wenn es in den Kleiderstoff ein•* gedrungen ist (Maimuni daselbst). Dort erfolgen demnach Wirkung und Gegenwirkung tatsächlich im selben Augenblicke; hier dagegen hat das Blut durch Berührung des unreinen Kleides seine Altarfähigkeit schon verloren, bevor es noch in den Stoff einzudringen vermochte. 2 In neuester Zeit noch versucht der Verfasser von מצפה איתן (In der Rommschen Talmud aus gäbe, zu Z’bahim 93a), Maimunis angebliche Entscheidung, das Kleid bedürfe keiner Waschung, damit zu rechtfertigen, daß das Blut bei seinem Eindringen in den Stoff bereits entweiht ist (s. vorige Anmerkung). Auch ihm ist es entgangen, daß nach Maimuni Opferblut überhaupt nicht unrein werden kann. Sollte in den 350 Jahren seit Erscheinen des Kesef Mischne wirklich keiner darauf gekommen sein, daß hier ein Schreibfehler vorliegen muß? Ich kann es kaum glauben.