Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
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262 Das ist eine vorzügliche Lesart und im Hinblick auf נבלעם כשאול חיים (Mischle 112) vermutlich auch die ursprüngliche. על כרחך אתח חי.9! Am Ende des vierten Kapitels von Abot lesen wir: ,,Laß dich nicht von deiner Leidenschaft in Sicherheit wiegen, als böte dir das Grab eine Zuflucht; denn gegen deinen Willen wirst du geschaffen, gegen deinen Willen geboren, wider deinen Willen lebst du, wider deinen Willen stirbst du und wider deinen Willen wirst du vor dem Allheiligen Rechenschaft ablegen müssen“. Die Behauptung, daß wir gegen unsern Willen leben, ist unhaltbar. Wir hängen ja am Leben und haben überdies, wenn wir seiner überdrüssig sind, die Möglichkeit, ihm zu entfliehen. In den von ihnen herausgegebenen Gebetbüchern suchten J. N. Mannheimer und S. R. Hirsch die Schwierigkeit zu umgehen, konnten sie aber nicht überwinden.״ Dieser übersetzt על כלח ך ,,ungefragt״ jener ״ohne deine Wahl und N e i g u n g“. Es ist merkwürdig, daß noch keiner den Mut gefunden hat, die geringfügige Textänderüng vorzunehmen, die schon ר״י, einer der ältesten und hervorragendsten Tosafisten, vorgeschlagen hat (s. Tos’fot J'schanim zu K’tubbot 30 a): חי bedeutet hier, wie in המתים לחיות והחיים לדון am Anfänge dieser Mischna, die Auferstehung. Die beiden Glieder על כדחך אתה דד ועל כרחך אתה מת müssen daher umgestellt werden: Gegen deinen Willen wirst du sterben und gegen deinen Willen wieder auferstehen, um Rechenschaft abzulegen. Darum kann dir das Grab keine Zufluchtstätte sein. Weniger zaghaft erwiesen sich die Herausgeber des Gebetbuches am Ende des ersten Kapitels von Abot, wo die Rücksicht auf den überlieferten Text eher geboten war. Rabban Simon ben G a m li e 1 sagt dort: Auf drei Dingen ruht der Bestand der Welt, auf dem Rechte, der Wahrheit und dem Frieden. In unseren Gebetbüchern steht aber, worauf ein Freund mich aufmerksam machte, die Wahrheit an erster, das Recht an zweiter Stelle. Als Grund der Umkehrung darf man das angeschlossene Zitat aus Z’charja (816) vermuten. Dieses findet sich aber weder in der oben (Nr. 17) erwähnten Handschrift noch bei Ch. Taylor (a. a. O.; s. auch die Critical Notes daselbst, S. 4). Und wie mir scheint, fehlt es mit Recht. Denn die Bezugnahme auf dieses Prophetenwort stammt nicht von Rabban Simon, sondern aus viel späterer Zeit. Jeruschalmi legt sie R. M an a in den Mund (Ta‘anijot IV 2 Ende). Zugleich ist dort ersichtlich, daß die Reihenfolge, nach der das Recht an der Spitze steht, auf guter Ueberlieferung beruht. Denn es heißt daselbst: Diese drei Dinge kommen auf eines heraus; ist Recht gesprochen, so ist Wahrheit geschaffen und Frieden hergestellt. Aus den Kommentaren von Maimuni und R. Jona z. St. geht ebenfalls hervor, daß sie , in der Mischna erst p und dann אמת lasen. Aber selbst die Ausgaben, die nun einmal das Zitat aus Z’charja in den Text aufgenommen haben, geben damit noch keine Veranlassung zu einer Umstellung. Der Prophet sagt doch nicht: אמת 1משפט ושלום, sondern: Nach Wahrheit und Friedensrecht (משפט שלום) urteilt in euren Toren. אמת und שלום sind demnach als Objekte zu שפטו