Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Passivbildung des Grundstammes im Semitischen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 6)
- Language
- German
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255 Diese aus Ta'lab's Kitäb al-fasih angezogenen Beispiele124 beweisen, daß eine derartige Anwendung der fa‘ila- und der fu'ila-Formen, abgesehen von Stämmen, die einen ,,krankhaften Zustand“, ein Leiden und Gebrechen (,,disease125(״ bezeichnen, auch bei sonstigen Verben gebräuchlich war. Auch die weiteren Zustandsverben mit passiver Vokalisation im Kitäb alfasih, — wie z. B. 9 - 9 . ich war gierig nach etwas, ^UJi ^Jlr: JsilfJI Xij aer Mond ist verhüllt über den Menschen, UJL^ 0^ da hast dich über uns נ " überhoben, j&d er ist erschreckt, er fürchtet u. a. m.— legen den Gedanken nahe, daß das innere Passiv überhaupt ursprünglich als ein verstärktes Intransitiv gegolten hat und daß es erst allmählich aus dieser Kategorie herausgetreten und schließlich die passive Funktion einzig und allein daran geknüpft worden ist. Wenn Völlers126 sagt, daß einerseits die Funktion des inneren Passivs sämtlicher Stämme in der ältesten uns bekannten Zeit durch die reflexiven Stämme V, VII, VIII ,,eingeengt'‘ war, und daß andererseits, infolge der Anwendung des Intransitivs in passiver Bedeutung ,,das Bewußtsein von der besonderen Funktion der fu'ila-Form im Schwinden begriffen war“127, so wird diese Ansicht hierdurch indirekt bestätigt. Es liegt jedoch m. E. hier weder eine Einengung noch ein Schwinden des Bewußtseins vor, sondern diese Form ist im Gegenteil in dieser Zeit erst im Aufkommen begriffen und noch nicht allgemein durchgedrungen. . Nach Völlers selber lassen ״die ältesten arabischen Grammatiker“, die wie stets nur das altüberlieferte gelten lassen, auch hier noch ausschließlich die reflexiven Stämme als Passiva zu. Wenn neben fa'ila Formen in inchoativer wie in passiver Bedeutung vielfach auch nach Völlers im Kor‘än die fu'ilaals fa‘ala~Formen gelesen worden sind — so z. B. urgifa: argafa erbeben, husifa: hasafa verfinstert werden —, so mußte doch früher die fa'ila-Form in dieser Bedeutung die ursprüngliche und die meistverbreitete gewesen sein, wodurch auch die formale Angleichung des inneren Passivs an dieselbe begreiflich wird: katila: kutila, jaktalu: juktalu. Mithin ist m. E. auch die Tatsache, daß man ,,im ge wohnlichen Leben“, in denDialekten, die inneren Passivformen nicht gebraucht hat, nicht dahin zu deuten, daß man sie nicht mehr verstanden hat128. Vielmehr zwingt dies zur 124 Ta'lab’s kitäb al-Fa$ih ed. Barth (Diss. Leipzig) p. V> A» % s• auch die Anmerkungen hierzu S. 25 ff. Bei den Passiven dieser Gattung und besonders bei einigen Stämmen 9 die ,,Krankheiten und krankhafte Zufälle“ bezeichnen, wie z. B. ^15 auf einer (v.-׳ Seite gelähmt sein, will Barth (ib. p.25) eine trans.-aktive Bedeutung mit ,,Gott, böser Geist“ und Aehnlichem als Urheber voraussetzen, aber das machen meine Ausführungen unwahrscheinlich. 125 Reckendorf, Die syntaktischen Verhältnisse § 25 und Blake, JOS XXII p. 47f. 126 Völlers, Volkssprache § 24a. 127 ib. § 24b, vgl. Brockelmann, Grundriß I § 257y. 128 ib. § 24a.