Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Passivbildung des Grundstammes im Semitischen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 3)
- Language
- German
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252 Wenn man sich nun das alles vor Augen hält, so wird man deutlich erkennen, daß wir es hier nicht mit einem Passiv zu tun haben, vollends nicht mit einer durch inneren Vokalwechsel gebildeten Passivform, wofür es gehalten worden ist100. In dieser Auffassung kann uns auch noch die Beobachtung bestärken, daß im Arabischen die Form katil sowohl Partizip aktiv wie auch Partizip passivi ist, bzw. Nomina agentis G und häufig Beschreibendjektiva darstellt; vgl. schlagend, begehrend und geschlachtet, erschöpft, Helfer, G j£ Befehler u. a. m.101 ,aniq schon, bahig leuchtend u. a. neben katila- Stämmen, und andere, wie kablr alt, kathxr viel, neben katula- Stämmen102. In letzterer Bedeutung kommt diese Form sehr häufig — im passiven Sinne dagegen ziemlich selten! — auch im Aeth. vor, und zwar ausschließlich von intransitiven Stämmen abgeleitet: hadis neu, rasi' gottlos, katin dünn u. v. a.103 __ Diese Bildung, ursprünglich aus neutrischen Verbalstämmen abgeleitet, konnte gelegentlich auch zu einem abstrakten Nomen G ״ und zu einem Infinitiv sich entwickeln104. im Zustande des G - G Geschlachtetseins, ohne Rücksicht auf Geschlecht und Zahl, ,,Fliehende“, lagernd(e Vögel)105, Aufbruch, Reise106. Ebenso im Aramäischen כדיחא Heiterkeit, *בטילו Rasten u. a.107; im Hebräischen *Vfcl Gesang, צניף Umwickelung108. Im Aethiopisehen ist katil zum regelrechten Infinitiv des Grundstammes geworden109. Ebenso stellt im Arabischen das Partizip katül bzw. maktül keine innere Passivform dar. Auch hier wird diese Form vielfach G , " in aktiver Bedeutung angewandt: abweichend (vom Weg), s? G י fliehend, jy&i helfend u. a. m. Außerdem beachte man noch Adjektive, wie sehr töricht, sehr träge, o > s v eilig, furchtsam, freudig u. a. m.110 Hariri, auf den Lagarde aufmerksam macht, erklärt unsere Form folgendermaßen: *Ja l^i ^\Sj J^aJl jUL 31** 100 S. 0. und vgl. Sellin, a. a. O. p. 17 Anmerkung. . 101 Nach Barth, NB III § 125a, b. 102 Brockelmann, GR § 138. 103 Dillman-Bezold, Aethiopische Grammatik § 108b. 104 Vgl. Barth, NB 126a. 105 ib. §85d. 106 ib. 107 ib. § 54d. 108 ib. § 85f. 109 p. praetorius, Aethiopische Grammatik (Karlsruhe und Leipzig 1886) § 1. 710 Bartb, ib. § 122.