Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 11)
- Language
- German
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247 Im 2. Teil nun versucht Fischer, das-Alphabet der Vorlage selbst' וzu eruieren. Er hat dazu alle in Frage kommenden semitischen Alphabete daraufhin studiert, ob die von ihm konstatierten Buch^ stabenverwechslungen in ihnen möglich sind, und sie in einer, leider viel zu groß gezeichneten und daher sehr unhandlichen Schriftt a f e 1 von 39 Kolumnen zusammengestellt1. Zu den einzelnen Kolumnen gibt F. im Buch selbst Literatur, soweit sich an den zitierten Stellen Abbildungen finden2. Dann bespricht er die Verwechslungsmöglichkeiten der Buchstaben, nach den einzelnen Alphabeten geordnet, und kommt so schließlich dazu, ein Alphabet aufzustellen, das in der letzten Kolumne seiner Schrifttafel erscheint und in dem seiner Meinung nach die LXX-Vorlage im Pentateuch geschrieben war. Betrachtet man diese Kolumne, so sieht man unschwer, daß sich für einzelne Buchstaben Formen ergeben — F. gibt außer beim ט stets deren zwei bis vier —, von denen es höchst unwahrscheinlich ist, daß sie sich in einem und demselben Text zusammengefunden haben sollen. So starke Differenzen zwischen den verschiedenen Formen z. B. des t oder י weisen nicht einmal die Elephantinepapyri auf. Auch zeigt sich beim Vergleich der einzelnen von F. auf gestellten Buchstaben miteinander, daß sie mitunter ganz verschiedenen, zeitlich kaum vereinbaren Alphabeten angehören. In der Tat gesteht F. bei verschiedenen Buchstaben ein, nicht zu völliger Klarheit gelangt zu sein. Hier ist nun der Punkt, wo m. E. die prinzipielle Unzulänglichkeit der Fischerschen Arbeit gegenüber dem von Wutz repräsentierten Forschungsniveau einsetzt. Fischer glaubt, daß, falls W.s Theorie richtig ist, das ganze Problem sich nur insofern verschiebe, als dann für die Buchstabenverwechslungen nicht der Uebersetzer, sondern der Transkriptor verantwortlich zu machen sei. Das ist ein Irrtum. Denn ׳erstens benutzten die Uebersetzer natürlich Abschriften der Tran-;skriptionstexte, keine Originale, also Schriften, die bereits eine eigene Textgeschichte hinter sich hatten und nicht mehr die ursprünglichen Verlesungen repräsentierten, die wir also heute, wenn wir sie erschließen, erst korrigieren müssen, um den wirklichen Transkriptionstext zu erhalten. Zweitens liegt der Fall beim Pentateuch besonders schwierig, weil er nach Wutz auf Grund eines palästinensischen Konsonantentextes revidiert wurde. Wir haben es also gerade beim Pentateuch mit mehreren, zeitlich und räumlich3 weit auseinanderliegenden Vorlagen zu tun; und es ist sehr fraglich, ob man nicht, da von ,,der“ Vorlage höchstwahrscheinlich4 gar nicht die Rede sein 1 Sie hätte natürlich nicht so umfangreich zu werden brauchen, wenn F. nicht bei den Sinai-Inschriften und der Mesäc־Inschrift begonnen hätte, 11m zu beweisen, daß die Vorlage nicht in althebräischer Schrift geschrieben sein kann. - ■ 2 Ich habe nicht alle Zitate nachgeprüft. An Fehlern fiel mir auf: S. 80 Z. 5 hinter Taf. fehlt: 3; ZDPV III (1880) Taf., ferner Z. 8 hinter LXVII\ zu ergänzen: ZDMG 67 (1913) 684 ff. mit Taf. 8 F. selbst konstatiert S. 115 Spuren palästinensischer Beeinflussung im Alphabet der Vorlage! 4 Wutz hat seine These in diesem Punkt noch nicht sicher genug be> /wiesen (vgl. oben S. 4); doch war auch diese Behauptung W.s Fischer bereits bekannt, vgl. sein Buch S. 98•