Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 9)
- Language
- German
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245 am Bibeltext in Zukunft bieten wird. Gerade Ps. 90 eignete sich als Muster sehr gut, weil er sehr alt sein muß, wie die zahlreichen Verderbnisse beweisen, die älter sind als die G. Die Textherstellung ist in solchem Falle noch schwieriger, weil zu den sonst schon zu berücksichtigenden Faktoren — Verhältnis der Versionen, paläogräphische Gesetze, Sinn, Zusammenhang — hier noch die Forderung hinzutritt, den Stil der alten Zeit zu berücksichtigen. Später kann man im Notfälle aramaisierend arbeiten; für die frühere Zeit muß die Möglichkeit hierfür von Fall zu Fall bewiesen werden. ~~־Üeber die seiner Arbeit vorläufig noch anhaftenden Fehler möchten wir mit Wutz nicht rechten; für seine Tat, die Kritik auf eine sichere Basis gestellt zu haben, gebührt ihm wärmster Dank. Wir können diesen Dank auf keine bessere Weise zum Ausdruck bringen, als indem wir wünschen, daß die fortschreitende Einsicht in die Richtigkeit der Wutzschen Thesen ihrem Urheber baldigst viele Mitarbeiter zuführen möchte, die durch seine hoffentlich bald vollständig vorliegenden Forschungsergebnisse in die Lage versetzt sind, die nunmehr erforderliche Arbeit tatkräftig und erfolgreich durchzuführen. Ein erfreulicher Zufall hat fast gleichzeitig mit W.s Büchern ein Werk1 erscheinen lassen, das nicht nur ein sehr wichtiges Teilproblem aus dem Umkreis der G-Studien behandelt, sondern sich auch bereits mit Wutz auseinandersetzt, allerdings zugegebenermaßen auf Grund einer naturgemäß noch recht unvollkommenen Kenntnis der neuen Theorie und ihrer Begründung2. Wenn im Folgenden trotzdem Fischers Resultate bereits an W.s Ergebnissen gemessen werden, so glauben wir uns damit keiner Ungerechtigkeit schuldig zu machen; denn ebenso wie auf der einen Seite ohne Zweifel ein Teil der Fischerschen Voraussetzungen durch Wutz bereits überholt ist, gibt seine Arbeit auf der anderen Seite paläographische Untersuchungen, wie sie in diesem Umfang und dieser Beschränkung auf ein Teilgebiet auch von Wutz noch nicht publiziert sind und die, gerade weil sie nicht von Wutz stammen, vielleicht ein sehr erwünschtes Mittel zur Kritik der Wutzschen Ergebnisse sein werden, wenn seine Transkriptionsarbeiten erst vollständig vorliegen. Ueber das in Rede stehende Problem hat Wutz3 sich folgendermaßen geäußert: ,,...daß.die Fehlerquelle der vorseptuagintarischen Periode dieselbe ist wie in der Zeit von G abwärts bis zur Kompilation des heutigen Konsonantentextes, soweit der Schrift- Charakter (vom Verf. gesperrt) in Betracht kommt. Diese Schrift ist vom selben aramäischen Charakter in der Vorwie Nach- G-Periode; sie steht jener der Papyri von Elephantine nahe, ist aber keineswegs identisch mit ihr...“. Aehnlich ist das Resultat, zu dem Fischer gelangt (S. 115): ,,Das Alphabet der LXX-Vorlage im Pentateuch war ... ein neuaramäisches Alphabet, wel- 1 Das Alphabet der LXX-Vorlage im Pentateuch. Eine textkritische Studie von Dr. Johann Fischer. Mit einer Schrifttafel. (Alttestamentl. Abhandlungen. X. Band, 2. Heft.) Münster i. W.: Aschendorff 1924. XVI, 120 S. gr. 8°, Br. 5,25. 2 Der Verf. kannte nur den S.237 Anm.l zitierten Vortrag. Auch von der oben S. 4 erwähnten neuen Interpretation des Aristeasbriefes kannte er nur das Resultat. 3 ZATW 1925, S. 115 f.