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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
Date
1926-01-01
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 einem ganz konkreten Textbestandsverhältnis? Was MT recht ist, muß G billig sein, gerade wenn W.s Theorie richtig ist. Ist, was von vornherein zu erwarten ist, der Konsonantentext von G und S der ursprünglichere, so bestand kein Recht, ,,dennoch“ den jüngeren von MT stehen zu lassen. Hält W. aber diesen für den älteren, dann ist es nur durch einen Zufall zu erklären, daß einerseits die korrupte Vorlage von G und S1 zustande gekommen ist und dann doch der viel jüngere MT die richtige alte Lesung wieder erhalten hat. — Aber ist denn diese Lesung überhaupt sprachlich möglich? Jeder Beleg dafür fehlt, daß von zlm ein Objektssatz abhängig sein kann. Das ganze Gebäude stürzt also zusammen. Zu einer wirklichen Lösung kann man m. E. nur kommen, wenn man mit v. 5 einen neuen Gedanken beginnen läßt und auf dieser Basis nach einer möglichen Lesung sucht. Wäre dies nicht schon durch unsere bisherige Erörterung gefordert, die gezeigt hat, daß man vergeblich nach einer Beziehung zwischen 5a und dem Vorhergehenden sucht, so würde es auch dadurch unabweisbar gemacht werden, daß man sonst vor folgendem Gedankengang stünde: 1000 Jahre vergehen Gott wie ein Tag und eine Nachtwache. Eine von diesen 3 Zeitbestimmungen kommt uns wie Jahre vor; am Morgen ist sie vorüber wie Gras, das usw. Ein Wort also, das selbst bereits primum oder secundum comparationis ist, wird seinerseits durch einen neuen Vergleich erläutert. Das ist stilistisch unerhört. Wenn in v. 5b überhaupt ein neuer Vergleich vorliegt, dann muß er sich vielmehr auf ein Wort in 5a beziehen, das einen neuen Gedanken einleitet und durch Textkritik erst festzustellen wäre. Aber möglicherweise liegt überhaupt gar kein neuer Vergleich vor, da 5b identisch mit 6a zu sein scheint, also wohl eine ,,alte Textdopplung“ (vgl. Einl. S. XX f.) vorliegt; beide Halbverse stehen schon in G. Es muß hier also, falls unsere Beobachtung richtig ist, eine sehr alte Verderbnis vorliegen, die sich über drei Halbverse (5a—6a) erstreckt, die zu lösen ich nicht wagen darf, deren Umfang aber von Wutz anscheinend gar nicht erkannt worden ist. Denn sonst hätte er hier von einer Textdopplung ,wenigstens reden und seine Ablehnung ihres Vorhandenseins evtl, begründen müssen; er erwähnt sie aber nicht einmal. V. 7. Der Vorschlag, נבלנו gegen G und alle Versionen für נבהלנו zu lesen, ist Resultat der gerade von Wutz mit Recht so schroff abgelehnten Konjekturalkritik, an einer Stelle, wo ein durchaus möglicher Sinn vorliegt, die Voraussetzungen für Kritik also keinesfalls gegeben sind. V. 10. Drei von den vier vorgeschlagenen Verbesserungen (st. בד!מ 1. בדך ungefähr, vgl. syr.; st. ורבם .1 ורהבם; st. חלש עלינו.1 חיש) sind an sich gar nicht schlecht, wenn auch nicht alle zwingend; דנעפה, wie Verf. für 'וג lesen will, ist dagegen aus Gründen der consecutio temporum unmöglich. Was aber soll der Sinn des Satzes sein? ,,Die Tage unserer Jahre sind ungefähr siebzig Jahre, und wenns hochkommt achtzig; das meiste davon ist Mühsal und Plage, denn es kommt Hinfälligkeit über uns und wir sind kraftlos.“ Das letzte Viertel bezieht sich offenbar auf das rasch herannahende Alter; aber das ist doch nicht der Grund, aus dem das Leben mühevoll ist! Sind die Teile des Verses durcheinander geraten? Wutz hätte hierauf eingehen sollen. — Die Bemerkung zu גז (S. LXI) zeigt in ihrer Unsicherheit übrigens auch, daß das Problem, das dieser Vers aufgibt, durch die bisherigen Korrekturen noch nicht umfassend genug gepackt zu sein scheint. V. 14. Daß G sämtliche Verba ins Präteritum setzt, ist von W. in Text und Uebersetzung nur für die erste Vershälfte berücksichtigt. V. 16. Die im Apparat gegebenen Lesungen der G bleiben in der Ueber- Setzung unberücksichtigt. Vielleicht sind die Lesungen von MT wirklich besser; aber das muß gesagt werden. Durch die vorstehenden Bemerkungen sind Beispiele für die typischen, immer wiederkehrenden Fehler beigebracht, die Wutz bei seiner Exegese unterlaufen. Zugleich sind ziemlich alle Probleme gestreift, die die Arbeit 1 Wäre S nicht, so könnte man allenfalls annehmen, nur die G vorliegenden Transkriptionstexte hätten falsch gelesen, während die hebräischen Konsonanten texte stets die von W. bevorzugte Lesung bewahrt hätten. So aber fällt auch diese letzte Möglichkeit fort; denn S ist nach einem hebräischen Konsonanten text gearbeitet.

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