Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 243

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
Date
1926-01-01
Page
Seite 243 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829940-2833362--46948-2833413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

243 Wutz druckt den unveränderten masoretischen Text jedes Psalms nebst der Vulgata1 ab. Darunter steht, soweit erhalten, die 2. Kolumne des Origenes nebst Apparat, da W. die Mercätischen Fragmente zur Verfügung standen, dann der Apparat zum Text, eine Uebersetzung auf Grund der neuen Textgestalt mit Kennzeichnung der Abweichungen vom MT2 und schließlich eine Begründung der Abweichungen. Am Schluß des Buches findet sich eine Zusammenstellung der von Wutz neu erschlossenen hebräischen Vokabeln3. Ich wähle zu meiner Kritik Ps. 90 und bespreche der Kürze halber nur die m.E. zu beanstandenden Stellen, nicht diejenigen, an denen ich glaube. Wutz folgen zu können, und die für katholische Theologen bestimmten Bemerkungen (das Buch will zugleich der Wissenschaft und der Kirche dienen). V. 2. G hat mit אתה geschlossen und אל als אל zu v. 3 gezogen: au ei. 3. .cbcoaTpE<j^c . . . Auf diesen Umstand ist überhaupt nicht hingewiesen; trotzdem, wird אל in der Uebersetzung völlig ignoriert. V. 3. ותאמר ist mit dieser Vokalisation als impf. cons. nach impf, syntaktisch unmöglich; obwohl es aber durch sTjcck; gestützt ist, übersetzt W.: und sprichst bloß. Zusammen mit dem Anfang des Verses (vgl. zu 2) muß eine einheitliche, syntaktisch mögliche Fassung hergestellt werden. W.übergeht dieses Problem, übersetzt aber, als ob תשיב und ותאמר dastünde.— G stellt an den Schluß des Verses ein mir unverständliches Fragezeichen (;), das W. unbeachtet läßt. V. 5. Die Lösung des Problems der ersten Vershälfte befriedigt in keiner Weise. Wutz schreibt Bibi. Zeitschr. XVI, 208: ,,Es ist . . . nicht mehr zulässig, das textliche Verhältnis (Sperrung vom Verf.) von G zum MT beliebig mit irgend einer hebräischen Lesung herzustellen, die dem von G geforderten Sinn entspricht, sondern der hebräische Text von heute und die Rekonstruktion müssen in einem ganz konkreten Textbestandsverhältnis zueinander stehen (desgl.)“. Was tut nun Wutz? Er findet für 16 i£0ü<kvcbjxa־:oc acmov die an sich sehr einleuchtende Erklärung, daß G CeXajO’ay. las und es als זלותם deutete; £?Xt09-c׳{! seinerseits stehe für CspajÖ-a{! (Wechsel von p zu X ist häufig, vgl. Einl. S. IV—V), das auf ursprüngliches זך?1תם zurückgeht, wie auch sarbäthön des alten Syrers4 5 beweist. Anstatt nun mit dieser ältesten erschlossenen Form zu arbeiten, schlägt er vor, זלמתם oder זרמתם ,,ihr phantasiert, bildet euch ein“ zu lesen, weil es eine arabische Wurzel zlm errare, hallucinari gibt. Der Satz soll demnach zu übersetzen sein: ,,Ihr bildet euch ein, es wären Jahre (Irr] soovxat, zum plur. für sing. שכה vgl. Einl., Abschn. 7, Nr. 3 a), am Morgen ist es vorüber wie Gras“. Von was bildet man sich ein, es wären Jahre: etwa von der Nachtwache? Das kann nicht sein, da es sich in v. 4 um eine reine Zeitbestimmung handelt, nicht etwa um die Vorstellung, daß jemand Nachtwache hält und ihm die Zeit nicht vergehen will. Nur diese Vorstellung hat aber Sinn, wenn 5b überhaupt etwas bedeuten soll. Denn wenn etwa gemeint wäre (was das יהיו eigentlich verlangt), von den 1000 Jahren bilde man sich ein, es wären Jahre, dann bedeutet die Fortsetzung: am Morgen ist es vorüber wie Gras gar nichts. Die Lesung des Herausgebers kann also schon des Sinnes wegen nicht in Ordnung sein0. Aber selbst wenn diese und nur diese Lesung einen Sinn ergäbe: wie steht es mit W.s Forderung nach 1 Diese enthält nämlich vielfach G-Lesungen und ist somit als Zeugnis für G bedeutsam; zugleich will Wutz die Gründe ihrer vielfachen Abweichungen vom MT durch seine G-Kritik indirekt mit erklären. 2 Letzteres ist versehentlich nicht konsequent durchgeführt. 3 Proben s. Wutz, Alte hebräische Stämme im Psalmentext der Septuaginta. Bibi. Zeitschr. XVII, 1 ff. 4 Auch über diesen bringt Wutz wesentliche neue, textgeschichtlich sehr bedeutsame Erkenntnisse, die aber hier nicht auch noch erörtert werden konnten. 5 W. hat nicht einmal an בברך Anstoß genommen, das als Vorwegnahme aus dem nächsten Halbvers zu streichen oft vorgeschlagen worden ist. Er sagt vielmehr ausdrücklich, daß es ״zu Recht besteht“. Wie es in Wahrheit um das Verhältnis zwischen 5b und 6a zu stehen scheint, s.oben etwas später. 16*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.