Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 5)
- Language
- German
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241 bezeugte Lesungen finden, und sie wird in der Lage und daher genötigt sein, sich über jede Aenderung wissenschaftlich Rechenschaft zu geben und nicht die Ursachen׳ der im Einzelfall behaupteten Verderbnis einfach zu ignorieren. Natürlich hat Wutz sich nach Zeugnissen für das Bestehen von Transkriptionstexten in der antiken Literatur umgesehen. Er glaubt, solche im Aristeasbrief zu finden, von dem er in § 23 eine von Prof. Herzog-Gießen stammende neue Interpretation vorlegt. Allerdings, zwingend ist diese Interpretation nicht; und da gegen sie von Fischer und König (s. S. 238 Anm. 1) Einspruch erhoben worden ist, soll hier darüber hinweggegangen werden. Die Frage ist auch nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Ist die Wutzsche Theorie richtig, so bleibt sie es auch dann, wenn der Aristeasbrief nichts von Transkription sagt. Ist sie aber falsch, nun, dann wird man eben den Brief weiter so interpretieren wie bisher. Immerhin scheint die neue Interpretation unter Voraussetzung der Richtigkeit der Wutzschen Theorie sehr einleuchtend. Im Aristeasbrief ist nämlich, wie bekannt, von einer Revision und Uebersetzung des Pentateuchtextes auf Grund des zu diesem Zweck aus Palästina entliehenen offiziellen Pentateuchexemplars die Rede. Nun behauptet Wutz, aus der Beschaffenheit des G-Textes vom Pentateuch darauf schließen zu können, daß die Uebersetzer desselben ihre Arbeit nachträglich auf Grund eines mit hebräischen Lettern geschriebenen Exemplars nachgeprüft hätten, während für die anderen Bücher der Bibel ein hebräisch geschriebenes Textexemplar überhaupt nicht benutzt worden sei. Wenn sich das bestätigt — der vorläufig vorgetragene Beweis bei Wutz § 19 erscheint nicht umfassend genug geführt —, dann würde zwischen den Angaben des Aristeasbriefes und den neuen Ergebnissen W.s eine zu auffallende Uebereinstimmung bestehen, als daß man seine Interpretation ablehnen könnte. Als nicht zu unterschätzendes Zeugnis für das Bestehen von Transkriptionstexten darf dagegen auf die Existenz der 2. Kolumne des Origenes hingewiesen werden. Schon vor 25 Jahren hat J. H a 1 e v y im Journal Asiatique IX 17 (1901), S. 335 ff. mit gewichtigen Gründen die These verfochten, daß die 2. Kolumne auf seit langem im Gebrauch befindliche Transkriptionstexte der alexandrinischen Juden zurückgehe. Da Halevy durch ganz andere Erwägungen als Wutz zu dieser Annahme geführt wurde, so ist seine Position für die Stützung der neuen Theorie nicht ohne Bedeutung. Das Rätsel der 2. Kolumne, deren Transkriptionssystem von Wutz in das der übrigen Texte eingereiht werden konnte, erfährt durch die neue Theorie eine einfache und durchaus einleuchtende Lösung. Die Rekonstruktion des der G vorliegenden Bibeltextes ist nicht das einzige Ergebnis der Wutzschen Forschungen. Sie wurden ja ursprünglich, und zwar auf Anregung Prof. Paul K ah 1 e s, zu dem Zweck angestellt, mit Hilfe der Transkriptionen die vormasoretische Ausspräche des Hebräischen zu ermitteln. Wutz gibt bereits Proben seiner Ergebnisse in dieser Richtung; doch dürfte es besser sein, mit ihrer Beurteilung zu warten, bis sie geordnet vorliegen. Ferner tauchen in der rekonstruierten Transkriptionsvorlage eine große Menge Monatsschrift, 70. Jahrgang. 16