Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
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240 Paläographie, zunächst im Griechischen, so daß erstmals eine Kritik ander G möglich wird, die aller Kritik am MT vorausgehen muß. Diese wird aber nur noch mit Rücksicht auf die Ergebnisse jener möglich sein. Es ist undenkbar, hier auch nur eine Andeutung von dem Umfang und der Tragweite der Einzelergebnisse versuchen zu wollen. Es soll auch aus dem Grunde davon abgesehen werden, weil das Buch noch nicht vollständig vorliegt1 und daher nicht alles, was Wutz sagt, geprüft werden kann, und außerdem, ,weil sein Inhalt in der provisorischen Form der Untersuchung dargeboten wird, wo der Forscher, schon um nicht zu ausführlich zu werden, nicht immer in der Lage ist, so darzustellen, daß er nichts dem Leser Unbekanntes voraussetzt und dieser nicht den Faden verliert2. Vieles ist daher auch aus diesem Grunde noch unkontrollierbar; in manchen Punkten kann man schon jetzt anderer Meinung sein. Und, was ja bei noch nicht abgeschlossen vorliegenden Untersuchungen eigentlich selbstverständlich ist : mit den Ergebnissen dieses Heftes allein kann man noch nicht selber praktisch arbeiten. Hier ist nur eine vorläufig noch verwirrende Fülle von Möglichkeiten paläographischen Geschehens aufgezeigt und an Beispielen aus allen Büchern der Bibel durcheinander erläutert, nach Buchstabengruppen geordnet und stets noch mit dem Nebenzweck, am Einzelfall die Fruchtbarkeit der Hypothese hervortreten zu lassen. Zu einer eigenen Arbeitsmöglichkeit wird man erst kommen, wenn die angekündigte Grammatik der Transkriptionen vorliegen wird, in der wir Aufschlüsse über die Regeln, nach denen der hebräische Text umschrieben wurde, erhalten sollen, und wenn die Geschichte des G-Textes für jedes Buch der Bibel gesondert geschrieben sein wird. Natürlich wird mit der neuen Methode nicht der Streit um die Herstellung der einzelnen Bibelstelle aufhören; nicht einmal die Wutzschen Lösungen befriedigen durchweg. Mehrdeutigkeit wird es nach wie vor geben, wenn sie auch durch feste Gesetze sehr eingeschränkt sein wird. Auch dürfen wir nicht auf einen restlos verständlichen Bibeltext hoffen; denn viele Verderbnisse liegen sicherlich der Zeit nach schon vor der ältesten Transkription, so daß selbst ein durch korrigierte Textzeugen einheitlich bezeugter Passus uns nicht immer zu befriedigen braucht, sondern nun seinerseits Objekt der Konjekturalkritik wird werden müssen. Aber ganz unvergleichlich besser und vor allem sicherer wird unser Bibeltext fraglos werden; die Konjektur wird als Objekt bedeutend ältere, sehr gut 1 Es sei gestattet, an den Herrn Verf. die Bitte zu richten, dem ganzen Buch, wenn irgend möglich, einen vollständigen Index aller darin genannten, nicht nur der besprochenen Bibelstellen beizugeben. 2 Auch hinsichtlich der äußeren Form sind nicht alle berechtigten Wünsche erfüllt. Die Einteilung des Stoffes ist nicht straff genug; alles ist koordiniert, so daß die Uebersichtlichkeit leidet. Die Zahl der Verweise auf an anderer Stelle im Buche Behandeltes ist zu klein. Vieles, was in Anmerkungen gehört, steht im Text. Manches erscheint übertrieben oder nicht recht verständlich formuliert. Dies letztere erklärt sich z. T. daraus, daß der heimatliche Dialekt des Herrn Verf. auf seinen Stil eingewirkt hat. Weit klarer ist W. die Darstellung seiner Gedanken in der S. 237 Anm. 3 genannten Abhandlung geluhgen, deren Lektüre neben dem Buch eindringlich empfohlen sei.