Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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239 wirklich wissenschaftlicher Sicherheit und unter Ausschluß jeder Willkür vorgenommen werden kann. Oft ist auch in der Transkriptionsvorlage gar keine Korrektur nötig; denn die Transkription war mehrdeutig, wegen der im Griechischen nicht adäquat wiederzugebenden Gutturale und Zischlaute des Hebräischen. So hat der Uebersetzer oft hur die an sich richtige Transkription falsch gedeutet1. Nur dort, wo sie einen, wenn auch noch so geringfügigen Fehler aufwies, der nach den zur Zeit des betreffenden Uebersetzers gebräuchlichen Umschriftregeln es ausschloß, daß das betreffende Wort, so wie es dastand, einen Sinn ergab, setzte er es in seiner fehlerhaften Form in den Text ein. Wo es dagegen etwas, wenn auch Falsches, bedeuten konnte, wurde es übersetzt. An Hand der vielen Stellen, wo in unserer G Transkription und Uebersetzung desselben Passus stehen oder Doppelübersetzung vorliegt, zeigt Wutz ferner, daß die Uebersetzer stets mit zwei Transkriptionstexten gearbeitet haben und beide übernahmen, wo sie differierten, je nach Verständlichkeit beide übersetzt oder beide oder einen transkribiert. Wir erfahren auf diese Weise vieles über die, nach Wutz sehr beträchtlichen, Sprachkenntnisse der Uebersetzer und ihre Uebersetzungstechnik. Zugleich bilden diese Dubletten eine wichtige Stütze der Wutzschen Theorie, zumal sie mit noch vermehrter Sicherheit den ursprünglichen Text eruieren lassen. Um im einzelnen Fall richtig rekonstruieren zu können, muß man die Transkriptionstechnik des betreffenden Buches der Bibel kennen. Diese Technik hat sich nämlich im Laufe der Jahrhunderte erkennbar geändert; und die verschiedenen Systeme sind in den verschiedenen Büchern der Bibel aufweisbar. Aber nicht nur dort, sondern auch in den verschiedenen G-Handschriften lassen sich frühere und spätere Systeme aufzeigen. So verhelfen die Transkriptionen zu der Möglichkeit, zwischen junger und alter G-Rezension zu scheiden. Durch Anwendung der neuen Methode erhalten wir einen hebräischen Text, der um Jahrhunderte älter ist als MT. Und dieser neue Text darf erstmals den Anspruch auf wissenschaftliche Beweisbarkeit machen, während früher jede Korrektur im MT ein Vorschlag bleiben mußte, dem man sich anschließen konnte oder nicht. Denn niemand war in der Lage, das oberste Gesetz philologischer Textkritik, die Rücksicht auf die paläographische Möglichkeit einer behaupteten Aenderung, zu beachten, weil die Paläographie nicht genügend erforscht war und man nicht zwischen den Möglichkeiten des Buchstabenwechsels im Griechischen und im Hebräischen schied. Man setzte in den MT paläographisch unmögliche Aenderungen ein. Die G blieb eine tote Masse; Veränderungen wurde nur MT unterworfen. Das wird jetzt anders. Der weitaus größte Teil der ersten Lieferung der Transkriptionen beschäftigt sich mit 1 Diese spezifisch griechischen Fehler sind, wie Wutz an Beispielen zeigt» z. T. auch im MT aufweisbar, an Stellen, wo mit Hilfe von G die richtige Lesung hergestellt werden kann. Wutz glaubt, daraus schließen zu können, daß auch MT unter Zuziehung eines Transkriptionstextes entstanden sei. Das bisher dafür vorgelegte Material scheint jedoch, so möglich diese These auch an sich ist, zu einem zwingenden Beweis noch nicht auszureichen.