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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 4 · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 4
Article
Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
Date
1926-01-01
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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238 hätte vorgenommen werden können, einfach ans Achtung vor der Ueberlieferung. Was aber mußten die Uebersetzer demnach für eine Vorlage gehabt haben? Doch offenbar eine in griechischen Lettern. Wutz behauptet also nicht mehr und nicht weniger, als daß G auf Grund von griechisch-hebräischen Transkriptionstexten gearbeitet worden ist; und in der Tat scheint für obigen Befund keine andere Erklärung möglich1. Steht es aber so, dann stürzen wesentliche Grundlagen der bisherigen alttestamentlichen Textkritik zusammen. Bisher gab man nach Gutdünken manchmal MT, manchmal G, manchmal noch anderen Textzeugen den Vorzug; oder man machte einen Text zurecht, der auf methodische Berücksichtigung der Tradition gar keinen Anspruch mehr machen konnte2. Mit seiner neuen Methode aber, zunächst die der G zugrunde liegende Transkriptionsvorlage herzustellen und erst einmal diese von ihren griechischen Fehlern zu befreien, hat Wutz uns die Möglichkeit gegeben und sie an unzähligen Beispielen sofort praktisch bewährt, die scheinbaren Differenzen zwischen G und MT aufzuheben oder sie auf einen Punkt zurückzuführen, von dem aus sehr häufig die Korrektur sowohl der G — denn auf die historische Erklärung ihrer Abweichungen, nicht auf resignierte Hinnahme kommt es an! — wie auch des MT nach von ihm festgestellten paläographi sehen Gesetzen mit 1 Dies hat M. L. Margolis, Transliterations in the Greek Old Testament, JQR XVI, 117 ff., der gegen Wutz polemisiert, nicht beachtet. Er diskutiert nur einige der von Wutz erklärten Bibelstellen und behauptet, daß man zu ihrem Verständnis auch ohne Annahme einer Transkriptionsvorlage kommen könne. Das soll gar nicht bestritten werden; aber abgesehen davon, daß nicht alle Beispiele bei Wutz schlagend zu sein brauchen, liegt der Kernpunkt ganz wo anders, nämlich beim tatsächlichen Vorhandensein der singulären fehlerhaften Transkriptionen, die als besondere Gruppe überhaupt erkannt zu haben, W.s eigentliches Verdienst ist. — Auch der naheliegende Einwand, daß die Transkriptionen von den Uebersetzern selbst stammen, die bestimmte hebräische Worte ihrer Fehlerhaftigkeit wegen nicht mehr verstanden hätten, würde nicht Stich halten; denn erstens sind unter den Fehlern in den Transkriptionen viele, die nur innerhalb der griechischen Paläographie, nicht aber auch innerhalb der hebräischen richtiggestellt werden könnten, und zweitens zeigen die massenhaften textlichen AbweichungenderG vom MT an niclittranskribierten Stellen, daß, wenn man die einmal postulierte Transkriptionsvorlage in concreto herzustellen sucht, durch Korrektur griechischer, nicht hebräischer Fehler die Differenz oft mit Leichtigkeit beseitigt werden kann, und zwar gerade zugunsten von MT. Beispiele dafür gibt Wutz die Fülle; weitere Beweise vgl. im Folgenden. — Ueber das Verhältnis der Untersuchungen J. Fischers zu W.s Thesen und seine Stellungnahme zu W. s. u. — Die Polemik Ed. Königs,. Jeschurun XII, 349 ff., kann schon ihres mangelhaften Referates wegen, das die stärksten Argumente W.s einfach übergeht, nicht als ernstliche Kritik betrachtet werden. Statt einer philologischen Widerlegung W.s trägt K. eine eigene, auf das Vorhandensein von Transkriptionen gar nicht eingehende Erklärung lediglich der Differenzen zwischen G־Text und MT vor. 2 Vgl. die sehr eindringliche Kritik an diesen Zuständen bei Delitzsch,. Die Lese- und Schreibfehler im Alten Testament (1920), Vorwort u. § 148. Aber D. ist über ein allgemeines Mißtrauen gegen die G nicht hinausgekommen und richte te seine Erforschung der Gründe der Textverderbnis lediglich auf MT. Und seine Klassifizierung dev Fehler nach paläographischen Gesichtspunkten war vollends kein Ersatz für die von W. gebotene Erforschung der Pal äographie. Oft konjiziert er erst, bzw. übernimmt er Konjekturen anderer und bestimmt dann nach dem häufig ohne vorherige Berücksichtigung paläographischer Gesetze gewonnenen Text den paläographischen Typus des Fehlers.

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