Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 1)
- Language
- German
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237 Neue Arbeiten zur Septuaginta-Forschung. Von Martin Plessner in Hamburg. Im Folgenden soll die Aufmerksamkeit auf einige Arbeiten von Franz Wutz, Professor der alttestamentlichen Exegese am Bischof 1. Lyzeum zu Eichstätt (Bayern), bzw. Johann. Fischer, Hochschulprofessor in Bamberg, gelenkt werden. Alle Arbeiten befassen sich mit dem Verhältnis der LXX zum MT. Während die Untersuchungen von Wutz in ihren Ergebnissen die gesamte LXX-Forschung auf eine neue Basis stellen wollen, liefert Fischer sehr wertvolle Untersuchungen zu einem Teilproblem. Wutz hatte die Hauptergebnisse seiner Untersuchung auf den beiden Deutschen Oxientalistentagen in Berlin 19231 und München 19242 vorgetragen und in einem Aufsatz3 ausführlicher dargelegt. Doch boten diese Veröffentlichungen nur Kostproben dessen, was wir zu erwarten hatten, Zusammenstellung der großen Gesichtspunkte und interessante Einzelbelege. Nun liegt ein Hauptstück -der Untersuchung ausführlich dokumentiert vor4 und zugleich als Probe die Behandlung eines Buches der Bibel unter Zugrundelegung der neuen Methode. Die LXX (künftig G) ist der älteste Bibeltext, den wir kennen; folglich hat sie die in erster Linie zu berücksichtigende Grundlage für die Herstellung des älteren hebräischen Textes zu bilden. In G finden sich nun viele Transkriptionen hebräischer Wörter. Von •diesen ausgehend behauptet Wutz entscheidende neue Tatsachen über die Entstehungsgeschichte der G, die, falls sie sich bewahrheiten, :zu einer völlig neuen Art der Verwendung der G für die Kritik am MT führen müssen. Die Transkriptionen zerfallen nämlich, abgesehen von den Eigennamen, in 3 Gruppen, a) solche, die durch die ganze Bibel oder ganze Bücher hindurch Vorkommen und ständige Wiedergabe bestimmter Termini sind, die jeder ohne weiteres verstand, z. B. yspo/jftscfj. für כרובים, b) solche, die für schwierige, schwer übersetzbare Ausdrücke stehen blieben, und schließlich c) singuläre, stets in fehlerh a f t e r Form für Worte auftretende, die sonst immer übersetzt sind. Das Vorkommen dieser letzteren Gruppe :nun läßt nach Wutz nur eine Erklärung zu: diese Transkriptionen standen in der Vorlage der Uebersetzer und wurden eben ihrer Fehlerhaftigkeit wegen in die Uebersetzung übernommen, selbst dann, wenn die Korrektur vom Uebersetzer zweifelsohne mit Leichtigkeit 1 Erschienen in Theol. Blätter II (1923), 11t—116. Ich habe den Vortrag :s. Z. gehört; der Abdruck, von dem ich nur durch Zitate Kenntnis habe, ist mir unzugänglich. 2 Erschienen in ZATW 1925, 115 ff. u. d, T.: Ist der hebräische Urtext wieder erreichbar? 3 Die Bedeutung der Transkriptionen in der Septuaginta. Bibi. Zeitschrift XVI, 193 ff. Die hier genannten und noch zu nennenden Arbeiten des Herrn Verf. sind in diesem Referat ständig mit herangezogen. 4 Franz Wutz, Die Transkriptionen von der Septuaginta bis zu Hieronymus. Berlin, Stuttgart, Leipzig: W. Kohlhammer. (Texte und Untersuchungen zur vormasoretischen Grammatik des Hebräischen II Beiträge zur Wissenschaft vom Alten Testament, N. F. 9.) 1. Lieferung. 1925. 176 S. gr. 8°. Br, 7,—.