Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
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213 Das Liesen der heil. Sehr. 71. Das Omen des Fallenlassens eines Brotbissens wird in der bekannten Tosefta verurteilt. Jedoch R. Tarphon, dem man doch nicht ohne weiteres Bauernreligion oder-Frömmigkeit zuschreiben darf, glaubte daran, vergl. pal. Demai 22 a, sc Büchler, Der gal. Amhaarez 89, 1, der bereits auf den Widerspruch hingewiesen hatte. Wir zeigten an einer andern Stelle mehrere auffallende Widersprüche zwischen der Baraita und der Agada. Diese machen den Eindruck, als wären diese Baraitas vor dem Ende des dritten Jahrhunderts noch nicht allgemein bekannt oder anerkannt gewesen. Vielleicht waren diese Bestimmungen nur Sondergesetze einzelner Rationalisten. Wie dem auch sei, von einer Bauernreligion schlechtweg kann man in diesem Falle nicht reden. Zweitens muß man zuerst erforschen, ob nicht in diesen Sitten und Bräuchen ein Einfluß des Heidentums, des orientalischen sowohl als auch des occidentalen, zu suchen ist. Was der Verfasser altpalästinensisch nennt, kann sehr gut aus Aegypten oder Babylonien, Griechenland oder Rom, Persien oder Klein-Asien stammen. Drittens mögen auch einzelne Prediger, die mit ihrem Wissen und mit ihrer Gelehrsamkeit vor den Zuhörern prunken wollten, gelehrte Schrullen auf die Kanzel und Katheder gebracht haben, — wie geistesarme Prediger noch heute gerne recht viele Zitate, oft an unrichtiger Stelle, anbringen, um Sand in die Augen der Leute zu streuen — die aber dem gesunden Verstände des Volkes ganz fremd waren und erst durch diesen Gelehrtendünkel und Wichtigtüerei der Prediger in die Massen gelangten. Man könnte für ähnliche Vorfälle leicht Beispiele aus der späteren Homiletik anführen. Schließlich sei noch auf eine recht gediegene und lehrreiche Arbeit von Israel Levy (Paris) verwiesen, die den Titel führt: Siignes de Danger et Malheur, in der REJ. XVIII 202—209, die ebenfalls hierher gehört und dem Verf. von Nutzen gewesen wäre. Es sei aber auch betont, daß auch unter den Rabbinen der ersten Jahrhunderte Stimmen laut wurden, die gegen den Glauben an omina scharf protestierten. Wir erwähnen die Ansicht des R. Jonathan, der den Eclipsen keine Bedeutung für Israel anerkennen wollte (vgl. Mech, 3a, b. Sukka 29a, Tosefta 194, 13). So gab es auch Lehrer, die gegen Astrologie sprachen1. Es .ist ferner zu beanstanden, daß Verf. S. 130 die Sibvllinischen Orakel als Vertreter der offiziellen Religion ansieht. Was sind dann R. Eleazar b. Zadok oder R. Gamaliel? Es ist eben ein neuer Beweis, daß letztere die Verbote der דרכי אמורי noch nicht kannten. Warum R. Johanans Satz משחרב בהמ״ק- נתנה נבואה etc. in ironischem Sinne zu verstehen ist (S. 130), kann man nicht einsehen. Von R. Johanan wird berichtet, ר״ יוחנן בדיק בינוקא, b. Hui. 95B, ferner, er sagt zum Jungen seines Schwagers אימא לי פסוקיך, b. Taan. 9a, und schließlich השכים ונפל לו פסוק לחוך פיו היו נבואה קטנה, b. Ber. 5.5B. R., Jochanan hatte diese Dinge doch ernst genommen. Der Talmud tadelt den Mann gar nicht (S. 131), der die Neujahrsnacht im Friedhofe verbringt; nach b. Ber. 18B wird er sogar belohnt und mit dem Titel eines חסיד ausgezeichnet. Es tut nichts zur Sache, daß der Mann nicht mit der Absicht den Friedhof aufgesucht hat, um die Zukunft zu bekunden, sondern um.Zuflucht zu suchen vor seiner zanksüchtigen Frau. Er scheint von dem Geiste der Unreinheit, der an solchen Plätzen herrscht, noch keine Idee, gehabt zu haben. Zu S. 131. Die jüdische Literatur besitzt eine eigenartige Sammlung von Schriften, die u. a. Anweisungen und Rezepte enthalten, durch die man gute Träume erlangen kann. Hier sei auf die Schrift לדרוש אלהים hingewiesen, die zwar jüngern Datums ist, erschienen Livorno 1879, aber allem Anscheine nach recht altes Material enthält. So findet sich S. 24B die Vorschrift und Warnung daß die Kleider des Traumsuchenden rein sein, müssen, ferner ויכבד את הבית וינקהו מכל טומאה ומכל רוח רע Die vorgeschriebenen Tauchbäder dürften demselben Zwecke dienen. Zur Vorschrift über das verkehrte Hemde vgl. noch die verkehrten Stiefel pal. Ket. 31c, b. Jeb. 24B, das verkehrte Leichenbrett im Test, des R. Jehuda,. d. Fr. § 9, ZVfVk. 20, 1910, 397 und 18, 1908, 445, Orhoth Haym. Berl. 600, Tanja § 96, 133. Die Rabbiner des 1. Jahrhunderts (welche Beweise gibt es für diese Datierung?) verbieten den Brauch, den Stab zu befragen. Interessant .ist folgende Stelle, die entschieden hierher gehört. R. Jehuda und 1 S. jetzt auch m. Beiträge zur Religionsgeschichte und Volkskunde in Grunwalds Jahrbuch II (1925), 362—375.