Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
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212 Schicksalen der Menschen in der MGWJ. 64—65. 1920/21 zu benutzen und zu berücksichtigen gewesen wäre. Das folgende Kapitel beschreibt die Mittel, welche dazu dienen, die überirdischen Wesen zu beeinflussen. Verfasser erklärt richtig den von der Tosefta als heidnisch verbotenen Brauch, beim Bette der Wöchnerin einen vollen Tisch mit Speisen hinzustellen. Hier wäre es auch am Platze gewesen, auf die Ursprünge des Elia-Bechers, wie auch der Zachor-Feierliohkeiten einzugehen. Verfasser bespricht in diesem Kapitel die Vorstellungen von der Opferspeise für die dahingeschiedenen Seelen, wie Bohnen und Linsen, den Ursprung von Kappores und Taschlich, Umwandlungen, Geheimnamen bei Juden, Schriftgelehrte als Magier und Traumdeuter, und Wichtigkeit des Amen. Mit dieser Liste ist aber die Reichhaltigkeit des in diesem Kapitel besprochenen und verarbeiteten Materials noch lange nicht erschöpft. — Es ist zu erwägen, ob der Brauch nicht aus einem Gegensätze zum römischen Totenfeste entstanden ist. Samter beweist, daß Linsen beim Totenfeste der Römer als Speise verboten waren s. Neue Jhb. für kl. Alt. 16 (1905) S. 43. Zu dem vom Verf. beigebrachten Material ist noch auf Ps. Jonathan Gen. 25, 29, Hieronymus Ep. 22 ad Paulum zu verweisen, vergl. Brüll, Jeschurun 833, Krauss MZSz. (1890) 270, J. Q. R. 6, 227, Bacher Hagoren I 64, Tr. Kalla 4B, R. Johanan Gen r. 38, 3, Sohar, Gen. 82B, Manhig 50B, Tanja, Gremona, Nr. 68, S. 95, Maharil, Crem. 42B, Tur j. D. 78, o. H. 557. Verf. übersetzt den Satz ■למורי ערב שביעיות חיטין יפות« עיקורי קטניות מהיות רעות" der pal. Bauer pflegte von den auf dem Felde stehenden Hülsenfrüchten, bevor sie reiften, etwas mit den Händen abzureißen und wegzuwerfen“. Warum nicht Raschis Erklärung, b. Sanh. 65 b? Kap. V ist von Fruchtbarkeitsriten und Kap. VI von Magie die Rede. Hier werden auch viele Einzelheiten besprochen, auf die wir hier nicht eingehen können. Das VII. Kap. bespricht die von lebenden und toten Menschen ausgehenden Kräfte, insbesonders die Wirkungen, die vom bösen Blick ausgehen. Als Abwehr dienen ein böser Name oder Amulette. Doppelnamen werden überhaupt als Abwehr im Zauber gebraucht. Dieses war schon den alten Agadisten bekannt, vgl. die zwei Namen Noahs in Midrasch Abkir, Jalkut I § 42 und Dwir I 141. Ferner ist hier auf die Vorstellung von der tötenden Kraft des Blickes der Weisen zu verweisen, die oft in derAgada eine große Rolle spielt. Ebenso das Wort der Weisen. Schließlich sei hier noch auf die Dinge hingewiesen, durch deren Anblick man das Augenlicht, Gedächtnis oder andere Fähigkeiten verlieren kann. Fische und Joseph sind vor dem bösen Blick geschützt. Vgl. auch das gute Auge Mosis und das schlechte Bileams. Hierher werden noch gezählt die Flüche, die Schaden anrichten. Es ist aber auch des Schwures bei dieser Gelegenheit zu denken, vgl. besonders ARW. 17, 135 f. Zu den heilsamen Wirkungen zählt Verf. das Speien, ferner Berührung mit den Toten, mit dem Grabe und mit der Erde auf dem Grabe. Die. Gräberbesuche an Fasttagen, in Elend und Krankheit, der Brautleute vor der Hochzeit sind hier besonders zu erwähnen. Größere Aufmerksamkeit ist dem nächsten Abschnitt über die Bedeutung der Ominazu schenken. Verf. hebt folgende omina hervor: Niesen, Befragen der Schulkinder nach Bibelversen, Uebernachten auf dem Friedhof, Träume hervorrufen durch Besen, Umdrehen der Kleidungsstücke, Stab befragen, Kieselsteine, Funken, Stab und Brot fallen lassen, Tagewählerei, Mondstellung, glückliche und unglückliche Hände, zwischen zwei Leuten einhergehen, nicht zählen und messen, Vorzeichen der Tiere und Pflanzen, Zahlen, rechts und links. Zuerst ist zu bemerken, daß der vom Verf. im Namen des R. Simon b. Eleazar zitierte Satz nur auf Haus, Kind und Weib bezogen werden darf. R. Eleazar ben Pedath fügt hinzu: Nur, wenn das Zeichen sich dreimal wiederholt, entweder zum Guten oder Bösen. Zur richtigen Deutung der Stelle vgl. Beth Talmud I 389 und weiter unten. R. Eleazars Satz wird auch auf die Brauchbarkeit von Amuletten angewandt. Ueber Niesen vgl. noch b. Ber. 24, B. pal. Ber. lOd, Tosefta (Absch. VIII und zur Lit. Blau, Zauberwesen 63, 67, Schwab, Vocabulaire, 7. MGWJ. 42, 571, Tylor, Primitive Gulture, I 96, Goldziher, Kitab Ma‘äni el־nafs 39, ZdVsfVk. 8, 395 und 448, Hanesher VII 30, David Gans 3. J. 590). Zur Sitte, die Schulkinder zu befragen, ist zu vergl. Dukes, Rabb. Blumenlese 53, Or. Litbl. 1847, 809, Wiener Jahrbücher 1848, 23’ Löwy 1181 בקורת התלמוד, Gförer, Jhdt. des Heils I 253, v. Rarnack,