Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 7)
- Language
- German
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208 seien, wozu er die biblischen Motive der zeitgenössischen christlichen Alchemisten (Ursprung der Alchemie von Tubalkain, alchemistische Bedeutung der Zerstäubung des goldenen Kalbes — beides sehr verbreitete Ideen) mit eigenen exegetischen und philologischen Gedanken verband, durch die er eine alchemistische Auffassung verschiedener Bibelverse (außer dem auch bei Christen eine Rolle spielenden Vers Genesis 3639) erhielt. Von späterer jüdischer Alchemie weiß Mussafia nichts. Seine Schrift macht den Eindruck eines bloßen Gelehrtenspiels, durch das der jüdische Gelehrte die Vorzüglichkeit der Bibel auch auf diesem Gebiet den Philologen (denn nur für sie und nicht für Alchemisten ist seine Schrift bestimmt und auch nur verständlich) demonstrieren wollte1. Das jüngste Stück jüdisch-alchemistischer Pseudepigraphie ist wohl die kühne Interpolation eines alchemistischen Passus in den jerusalemischen Talmud. Abraham Chamoj, der tunesische Kompilator vieler auf Magie bezüglicher Schriften, führt in seinem Buch נפלאים מצשיך aus einem angeblichen Kommentar eines R. A s c h e r zum Jeruschalmi eine Stelle dieses Talmuds ,,am Ende des Ab- Schnitts — welchen? —־ Scheqalim“ an, wo natürlich nichts davon zu finden ist2 3. Im Anschluß an Eccl 712: ״Die Weisheit erhält ihre Besitzer am Leben“ sagt R. Elazar: 3בנון עתירי דבי מרקועיא דהוו פקיעי בטבע קרישין דדהבייא 4 * ובקליפתא דכפפין מגו פגפגיף ,,Das ist wie im Falle der Reichen aus dem Haus Markoaja (d. h. dem Fetzenhaus!), die in der Natur der Säfte der Goldesarten bewandert waren und im Herausschälen des Silbers aus den Schlacken“. Sollte jener Pseudo-Ascher, wenn es nicht Abraham Chamoj selber ist6, ein aLchemistischer Autor sein? Er kennt den Sinn jener Stelle zu gut: ,,Diese Familie waren Alchemisten7, und ließen Säfte gewisser Kräuter gerinnen und machten aus ihnen Gold. Ferner auch wußten sie mit Leichtigkeit die Schlacken vom Silber zu trennen. Und dies (letztere) ist eine wohlbekannte Wissenschaft. Die Kräuter aber, deren Saft sie gerinnen ließen und der zu Gold wurde8, wollten 1 Der Text ist auch abgedruckt in Schudts Jüdischen Merckwürdigkeiten, Band III (1714) p. 329—339, der den Autor hier noch nicht kennt. W 0 1 f hat seine z. T. irrigen Angaben in der bibl. hebr. I 251, dann später dort (III, 154) berichtigt. Dem Büchelchen wurde 1694 auch die Ehre eines ausführlichen Kommentars zuteil, der als ,,Ovum Hermetico-Paracelsico- Trismegistum, id est commentarius . . in epist'blam MEZAHAB dictam de AURO“ in Frankfurt a. M. aus der Feder J. L. Hannemann s, erschienen. 2 Auf diese Stelle verweist schon Eisenstein im אוצר ישראל II, 37, ohne ihren pseudepigraphischen Charakter hervorzuheben. Sie steht f. 24 b, s. v. זהב 3 Die fast ironische Paradoxie dieses Namens: die Reichen aus der Familie der Fetzen, ist doch wohl beabsichtigt. 4 Wörtlich: ,,Gerinnungen der Golde“. Der ganze Sprachgebrauch ist unnatürlich.טבע in einem Jeruschalmi zitat verrät den Fälscher schon hinreichend. ö So ist statt des sinnlosen Druckfehlers ספסגץ zu lesen. 6 Chamoj ist nicht über jeden Verdacht erhaben. Und gerade in נפלאים טעשיק kommen, worauf mich Prof. Epstein aufmerksam macht, noch zwei andere gefälschte Jeruschalmi-Zitate (über Medizinisches) vor: Ed. Livorno 1881, f. 67 a/b. .היו חכטים בחבטת אלקיטיא 7 8 Vgl. das in meinem Aufsatz S. 28 gesagte. Die Stelle in den lurjanischen Schriften, die über solch metallverwandelndes Kraut handelt, steht, wie