Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 8)
- Language
- German
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m sie nicht offenbaren/׳ Woher kennt ,,Rabbi Ascher״ diese im angeblichen Talmudtext doch in keiner Weise angedeutete Kräutergeschichte? Es scheint, er hat Text und Kommentar zugleich gemacht, und dabei nach Art der echten, auf Tradition beruhenden alten Kommentare Dinge in den Kommentar gebracht, die im Text nicht ohne weiteres gefunden werden können, um so größere Glaub- Würdigkeit für seine Pseudepigraphie zu erwerben* 1. Besprechungen Br. I. Scheftelowitz, Prof, an der Universität Köln: Altpalästinensischer י Bauernglaube in vergleichender Beleuchtung. Hannover 1925. VIII u. 181. Die Fortschritte und Entdeckungen auf dem Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft und Volkskunde erfordern es mit dringender Not• Wendigkeit, daß auch das Material, welches in der jüdischen Literatur von den ältesten schriftlichen Denkmälern in der Bibel bis zu den jüngsten Er• scheinungen der Gegenwart, aufgehäuft ist, einer Untersuchung, Sichtung und Vergleichung unterzogen werde. Es erschien uns daher recht willkommen, als wir das oben bezeichnete Werk zu Gesicht bekommen haben. Wieweit der Titel gerechtfertigt ist und dem Inhalt des Buches entspricht, das zu beurteilen ist dadurch erschwert, weil der Verf. das talmudisch-midraschische Material auch dort anonym zitiert, wo er ganz gut des Autors Namen hätte angeben können. Diese Unterlassungssünde wird die Forscher auf diesem Felde, die aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit die Angaben nicht nachprüfen können oder wollen, zu vielen irrigen Ansichten führen. So z. B. ist gleich der erste Satz, ,,daß die Geister Gott helfen“, keine ״alt-palästinensische“ Lehre, sondern rührt vom babylonischen Lehrer R. Joseph her (vgl. W- Bacher, Ag. der pal. Amoräer III 299, Frankel, Mebo 103a). Ueberhaupt ist in der Angelologie und in der Lehre von den Dämonen recht vorsichtig zwischen babylonischen und palästinensischen Vorstellungen zu unterscheiden. Es ich jetzt feststellen konnte, im Mittelteil des שער הגלגולים (Jerusalem 1912, Bl. 48a.), wo sie freilich absolut nicht hingehört. In der Tat bezeugt Ghamoj 1. c., er habe sie im שער רוח הקדש gefunden, wo ihr natürlicher Platz wäre, sie aber im Druck fehlt. Beide Schriften waren zu Azulajs Zeit noch ungedruckt. Das betreffende Kraut ist nach V i t a 1 muscatella, und entstammt zweifellos der arabischen Tradition. Ghamoj sagt 10c. cit.: ,,Als ich jung war, wollte ich gern Kenntnis in der Alchemie erwerben und wissen, worauf sie sich gründet, daß nämlich durch Kräuter Zinn und Blei zu Gold werden. Und dies Kraut heißt auf arabisch השישית אל דהב“ (d.h. einfach: Goldkraut). Der Fälscher des Pseudo-Ascher huldigt also ähnlichen Vorstellungen. 1 Erst nachdem diese Arbeit in den Händen der Redaktion war, kam mir der instruktive Artikel ,Alchemie‘ von B. Suler in dem soeben erschienenen hebräischen Probeheft der neugeplanten Encyclopaedie אשכול zu Gesicht. Suler gibt noch einige weitere Daten über Alchemie bei den italienischen Juden des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Einzelnes bedarf der Berichtigung. Der Autor der Mezahab Epistola ist auch Suler unbekannt geblieben. Sulers wenige Zeilen über das Esch Mezareph scheinen, wenn ich sie recht verstehe, Zweifel an dessen Authentizität auszudrücken und Knorr von Rosenroth selbst als Autor vermuten zu wollen. Zu solchem Zweifel resp. Verdacht liegt aber gar kein Grund vor. Nach S. wäre R.Mordechaj, der Autor von ,de argento‘ (siehe vorigen Jahrgg. S. 100), ״zweifellos*‘ niemand anders als Mordechaj der Sohn Juda Arje de Modenas, der Blei zu :Silber transmutierte und durch die Alchemie zu Grunde ging. Für so spät möchte ich das Buch aber nicht halten. Ein Buch, das so vollständig frei von dem Einfluß und der Terminologie der lurjanischen Schriften ist wie der ZE. M«, hätte ein so absolut im lurjanischen System verstrickter Mystiker wie Knorr nie schreiben können, auch wenn er es gewollt hätte. Monatsschrift, 70. Jahrgang, 14