Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 6)
- Language
- German
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207 übersetzen. Warum also gewaltsam unbekannte Quellen und Handschritten annehmen — praeter necessitatem? Bei dieser Gelegenheit will ich *nachtragen, daß ich selbst drei kurze Zitate Knorrs aus dem Esch Mezareph übersehen habe, die den Gesamteindruck aber nicht verändern: p. 430 über die Taube als Symbol, welches ,,nunquam applicatur metallis ipsis, sed naturis ministrantibus et praeparantibus“; p. 455 (aus Kap. 7) über den Jordan als ,,aquam mineralem ad mundificationen metallorum et mineralium leprosorum utilem“. Die hier gegebene mystische Etymologie des Wortes ילדן als יאור דן ,,Jeor, quasi fluidus, naturam dextri et benignam habens, alter dan rigorosus . .“ setzt phonetisch nicht die hebräische, sondern die lateinische Aussprache und Schreibung des Wortes voraus1. Sollte nicht dies ein verräterisches Indiz sein? Solche die Sprachen auf mystischer Grundlage durcheinanderwerfenden lateinisch-hebräischen Etymologien passen jedenfalls besser in die Renaissancezeit, wo dergleichen ja auch sonst wohl bei jüdischen Gelehrten begegnet, als ins XIII. Jahrhundert. 5. 676/677 enthält aus Kap. 4 das magische Quadrat des Zinns, das ich S. 102 vermißt habe. Der Reihenwert 34, dem Zahlenwert nach gleich hebr. דל arm, symbolisiert dem Autor ,,vilitatem hujus rnetalli in operationibüs metallicis“. Welches das hebräische Wort ist, das Knorr mit ״ars transmutatoria“ übersetzt, glaube ich jetzt mit Bestimmtheit sagen zu können. Knorr nämlich übersetzt stets das hebräische תמורה mit transmutatio (cf. z. B. I, 442 ganz deutlich); der Terminus im Esch Mezareph hieß also מלאכת התמורה oder 2אמנות התמורה. Der dieser Kunst Beflissene durchläuft bei seiner ״Arbeit“ (nach Kap. 6, p. 626) naturaliter, d, h. also im Wege der Natur, nicht der Mystik, alle vier Welten der emanatio, creatio, formatio und factio — die vier Stufen der Kosmogonie: eine durchaus logische Konsequenz aus einer Parallelisierung der kabbalistischen Weltschöpfung mit dem alchemistischen Prozeß3. Bevor das Esch Mezareph bekannt wurde, veröffentlichte der bekannte Arzt und Philologe Benjamin Mussafia (gest. 1674) im Jahre 1640 eine kleine Schrift ,,Mezahab Epistola“4, um aus der Bibel zu beweisen, daß die Juden große Alchemisten gewesen 1 Dasselbe auch S. 117. Im XVII. Jhrdt. deutet auch Nathan Spiro Jordan als jored din (Megalle ‘amuqoth § 48). ' 2 בעלי המלאכה oder בעלי אמנות nannten die spanischen Juden die Alchemisten nach G h w 0 1 s 0 n, die Ssabier II 660 der aber, besonders für die zweite Bezeichnung, keinen Beleg gibt. אומן gebraucht der Uebersetzer des Em hamelekh von Abu Aflach für den• Meister des ״Werkes“. 3 Der Autor des Esch Mezareph nennt seine Disziplin Kabbala naturalis (p. 441). Diesen Ausdruck habe ich in anderen hebräischen Quellen noch nicht gefunden, dagegen ist er in den Schriften der Alchemisten des XVI. und besonders des XVII. Jahrhunderts nicht selten, z. B. bei dem bedeutenden englischen Mystiker Th. Vaughan (Eugenius Philalethes), dessen — zur Rosenkreuzerliteratur gehörigen — Schriften von kabbalistischen Tendenzen, völlig durchdrungen sind, speziell ״Magia adamica“ und ״lumen de lumine“. In letzterem findet sich übrigens auch ein größeres Zitat: ״was die alten Juden, als die weiseste Nation, von der Metallerzeugung sagen.“ 4 D, i. מי זהב in Gen 36, von den Alchemisten als das von ihnen gesuchte aurum potabile verstanden.