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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 205

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zu Abraham Eleazars Buch und dem Esch Mezareph
Date
1926-01-01
Page
Seite 205 (sequence 4)
Language
German
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205: sowie in dem gedruckten Scha’ar ha־cheschek sehr an der Alchemie als einer wirklichen Wissenschaft interessiert, und gerade dieser um 1480 blühende Gelehrte ist ja das Musterbild eines gebildeten Juden der Renaissance1. Ebenso trieb in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts Alchemie, und zwar zugleich mit Kabbala, Abraham J a g e 1, wie aus den von Reggio veröffentlichten Stücken seines Werkes Beth ja’ar ha-lewanon hervorgeht2. Und waren diese Beiden ,,abergläubische Bücherwürmer“, so darf man ja sagen, daß der Autor des Esch Mezareph ihnen darin durchaus nichts nachgibtl Auch er schreibt ja die alten Autoren aus, und ist ja nur in Ueberein- Stimmung mit ihnen, wenn er, wie alle Alchemisten auch nach und trotz Leonardo da Vinci (um den sich offenbar niemand gekümmert hat), die Zusammensetzung aller Metalle aus Schwefel und Quecksilber lehrt3. Aus solcher Anschauung läßt sich für das Alter einer alchemistischen Schrift nichts beweisen. Und falls das Buch in Deutschland verfaßt ist, entfällt diese ganze Deduktion. Es mag übrigens bemerkt werden, daß sich in Oxford eine Handschrift befindet (Neubauer 1959, f. 132—149), die etwa dem XVI. Jahrhundert entstammt und ein scheinbar astrologisch-alchemistisches ספר פפיגרי enthält, das heißt doch wohl ,,Buch von der spagirischen Kunst“ — eine der verbreiteten Bezeichnungen der Alchemie. Und gerade diese Handschrift stammt aus Italien4. Die Meinung, daß mittelalterliche alchemistische Handschriften von Juden später nur noch abgeschrieben worden seien, ,,weil die jüdischen alchemistischen Geheimlehren bei den Christen neues Interesse fanden“, wie Eisler will, wird von ihm nicht begründet, und in der Tat spricht ja auch gar nichts für sie. In Marokko, woher der Codex Gaster und andere alchemistische Handschriften stammen, gab es keine christlichen Interessenten, und alle Zeugnisse stimmen darin überein, daß die dortigen Juden selbst weitgehend der Alchemie ergeben waren. Außer den schon von mir hierfür beigebrachten Belegen verweise ich noch auf das von den anderen ganz unabhängige und darum doppelt beweiskräftige Zeugnis eines afrikanischen Juden vor J. S, Semmler, dem berühmten evangelischen Theologen und Opfer eines großen alchemistischen Skandals; jener Jude soll (gegen 1790!) berichtet haben, in Marokko sei die Alchemie bei ihnen weit verbreitet. Das Uebrige an der Erzählung scheint apokryphes 1 Vgl. Ed. Halberstadt f. 36 b und Kerem chemed 11/48. 2 Kerem cbemed II 46 und 53. 3 Meine Bemerkung S. 98, Knorr scheine eine Stelle im Esch Mezareph irgendwie mißverstanden zu haben, bezog sich nicht, wie Eisler glaubt, auf die Theorie der Zusammensetzung der Metalle aus Schwefel und Quecksilber, sondern auf den Wortlaut, der ja, wie ich ihn las, in der Tat unverständlich ist. Was soll das heißen: ,,non t an t u m propter colorem, sed e t coloris et sulphuris causa“? Ich habe mich aber verlesen, denn beim zweiten Mal muß es. c a 1 0 r i s heißen: ,,seiner Wärme und seines Schwefels halber“, wodurch meine Bemerkung gegenstandslos wird. 4 Aus Italien — XVI. Jahrhundert? — stammt auch die ihrem Inhalt nach ausschließlich zu intern jüdischem Gebrauch bestimmte astrologischmagisch-alchemistische Sammlung in Livorno Cod. 112 (cf. Bernheimer, Catal. . . . de la biblioth^que du Talmud Tora de Livourne, col. 57/58), die פעולות מארקי&יא (sic) enthält.

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