Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 6)
- Language
- German
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199 Andererseits hat schon Steinschneider1 eine hebräische TJebersetzung des Picatrix nachgewiesen2, so daß nicht der leiseste Anlaß zu der Annahme vorliegt,־ der Verfasser des ״Es Mesaref“ habe aus Agrippa von Nettesheim geschöpft. Es ist vielmehr ganz klar, daß die Quelle, aus der der אש מצרף und die jüdische Magie überhaupt die Zahlenquadrate und verwandte Amulette, insbesondere auch die merkwürdige, aus kleinen Ringen und Verbindungslinien bestehende Sternenschrift3 entlehnt hat, keine andere ist als das ,,Picatrix“bucl1 in seinen verschiedenen, noch nicht genau erforschten Bearbeitungen gewesen sein kann. Nichts, aber auch gar nichts in den erhaltenen Bruchstücken des Es Mesaref schließt eine Entstehung dieser Schrift im alphonsinischen Kreis in Spanien spätestens des 13. Jahrhunderts aus4 *, am allerwenigsten die chemischen Vorstellungen des Verfassers6, die Scholem nicht klar geworden sind, wenn er S. 98 bei Knorr v. Rosenroth ein Mißverständnis des Satzes im Es Mesaref annehmen zu müssen glaubt, der von ,,der Farbe und dem Schwefel des Goldes“ handelt. Denn aus diesem Satz und der Erwähnung der ״sulphura auri et ferri, . . aeris, cupri stibii (o. S. 1012)“ ergibt sich klar, daß der Verfasser die seit der im 10. Jahrhundert nach Spanien gelangten ,,Enzyklopädie der lauteren Brüder“ im Abendland allgemein nachweisbare Meinung teilte, daß alle Metalle aus den Urb e s t a n d t e i 1 e n Schwefel und Quecksilber bestünden, wobei der metallische Glanz, die Schmiedbarkeit und dergleichen vom Quecksilber, die Färbung des Metalls von der Menge und spezifischen Beschaffenheit ,,seines Schwefels“ abhänge. Der Sinn des o. S. 1012 unerklärt gelassenen Satzes ist für Sachkenner 1 Zur pseudepigraph. Lit. insbes. d. geheim. Wiss. d. Mittelalters, Berlin 1862 (Wiss. Blätter aus der Veitei Heine Ephraimischen Lehranstalt, Bethha-Midrasch, Berlin Nr. 3) S. 28 ff. 2 Das einzige aus dem arabischen Urtext des ,,Picatrix“ bisher gedruckte Stück (Dozy־de Goeje, Verh. d. IV Int. Orientalist.*Kongr., Leyden) handelt über die Religion der Ssabier von Harran. Die von Chwolson verwerteten, von Scholem 102 erwähnten einschlägigen Nachrichten des Maimonides sind alle aus der hebräischen Picatrixübersetzung herübergenommen. 3 Vgl. Helm. Ritter a. a. O. S. 110 die Figur (Konfigurat. des ״Löwen“) zu den Abb. bei E. Bischof, KabbalaBd.il, Berlin 1914, 9 d) O SS. 201, 202. Aus solchen I Figuren ist noch das ,,Al- 1 phabet Cöleste“ in den L■■י■ . Curiosit6es inouyes des E. Gaffarel (Paris 1650), der ebenfalls den ״Picatrix“ 1 gekannt hat, zusammen- ° gestellt. 4 Der im אש מצרף (Scholem, S. 100) zitierte Ps.-Avicenna ist (Lippmann 406, 3) ebenfalls spätestens um diese Zeit in Spanien — natürlich im gleichen Kreis! — ins Lateinische übersetzt worden. Dieses Buch ist in der Form eines Dialoges zwischen Avicenna und seinem Sohn abgefaßt. Man braucht also für דע בני in der Einleitung des gewiß nicht mit Scholem, S. 101, das Vorbild der Kabbalisten des 16. Jhrdts. zu bemühen! & Nebenbei bemerkt zu S. 98: ״prima materia“ ist der Ausgangspunkt des ״großen Werks“ und etwas ganz anderes wie ״sal primordialis“ (S. 100!). Als ״prima materia“ ist Blei im durchaus nicht bezeichnet. j