Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 4)
- Language
- German
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197 Ghäjat al-hakim wa ahaqq an natigätain bit-taqdim1 darstellt. In spätarabischen Quellen2 gilt es als das Handbuch der Magie schlechthin und wird fälschlich dem spanisch-arabischen Mathematiker Abu! Qäsim Maslama ben Ahmed el Margit! (gest. 395) 1005 zugeschrieben Der Uebersetzer, der dem Buch den Autornamen ,,Picatrix" voranstellte, hat das getan, weil in dem Buch Anfertigung talismanischer Steingravierungen mit Berufung auf ein ,,Buch der Erklärung der pneumatischen Talismane des Kriton, übersetzt von Bukrati sf< gelehrt wird. ,,Bukratis" hat der Lateiner nun mit ״Picatrix" wiedergegeben, in Wirklichkeit ist es eine oft vorkommende arabische Ent- Stellung von ״Hippokrates“3, womit wohl zunächst der große Arzt von Kos gemeint ist, dem man eine apokryphe, lateinisch und in vier hebräischen Hss. erhaltene ,,Astrologia", eine ,,Astronomia" sowie ebenfalls arabisch, hebräisch und lateinisch vorhandene ,,Secreta"4 zugeschrieben hatte; in zweiter Linie etwa noch der berühmte Mathematiker und Quadrator der Menisken Hippokrates von Chios5. Was den Theoretiker der ,,pneumatischen Talismane'‘ Kriton anlangt, so gibt es eine Anzahl arabischer Lapidarien — Anweisungen zur Anfertigung von Talismansteinen —, die Autoren wie ,,Hermes", Thabit b. Qurra — dem berühmtesten Gelehrten unter den Sabiern von Harran (826—900), bekannt als Uebersetzer griechischer wissenschaftlicher Werke ins Syrische und Arabische — Apollonius, ,,Kriton, übersetzt" (d. h. kommentiert) ,,von Hippokrates" u. a. zugeschrieben werden6. Das Nebeneinander des im Arabischen als ,,Balinus el hakim“ und dergleichen sehr berühmten Zauberers Apollonius von Tyana7 und dieses Kriton zeigt, daß mit dem letzteren jener Kriton gemeint ist, an den Apollonius von Tyana den dreiundzwanzigsten seiner gesammelten Briefe gerichtet hat, d. h. aber — wie schon Kind8 richtig vermutet hat — Kriton, der Leibarzt Kaiser Trajans9, der Verfasser eines berühmten kosmetischen und eines noch berühmteren Arzneimittelbuches. Daß in ein solches Rezeptbuch zuerst von späteren Besitzern magische und talismanische Rezepte eingefügt und schließlich den echten fünf Büchern ein unechtes sechstes usw. in der Art angehängt wurde, wie man 1 ,,Das Ziel des Weisen und diejenige der beiden Praktiken (seil. Alchemie und Magie), die am ehesten verdient, vorangestellt zu werden.“ Vgl. Ritter a. a. 6. 953, der eine Ausgabe des arabischen Textes vorbereitet. 2 Ibn Ghaldun, trad. de Slane, Ip. 217. 3 Ritter a. a. O. SS. 96 u. 113. Die Entstehung wäre am ehesten, zu verstehen, wenn in einem hebr. הפכדטים jemand das ה für den Artikel gehalten hätte. Dann müßte schon das arabische Rw&rafts-Pseudepigraphon aüf eine hebräische Uebersetzung aus dem Griechischen zurückgehen. Bukrates mit B schreibt der Araber wohl, weil sein b fa gelesen wird und also die graphisch richtigere Umschrift den Lautwert ״Fukratis“ ergeben würde.. 4 Gossen im PaulyrWissowa RE VIII 1.849 Nr. 108 u. Nr. :128. 5 Björnbo ebenda 1789—1800. 6 Ruska, Griech. Planetendarst. in arab. Steinbüchern, SB. Heidelberg. Ak. ph. h. Kl. 1919, 8; H. Ritter a. 0. a. O. S. 1125. 7 Steinschneider ,,Apollonius von Tyana oder Balinas bei den Arabern“ ZDMG 45, 439 ff. - * 8 Artikel Kriton Nr. 7, Pauly-Wissowa XI 1925, 53 ff. ß Martial XI 60€, Suid.s.v. Poucpo;: Galen XII 445 Lyd. de mag. II 28.