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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 196

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
Date
1926-01-01
Page
Seite 196 (sequence 3)
Language
German
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196 der nachweisbar irrigen Vermutung aufgebaut ist, daß die Planetenamulette ,,erst über das Werk des Agrippa von Nettesheim de occulta philosophia in einzelne jüdische Kreise eingedrungen sind“ (S. 102). Aus der Nachricht, daß R. Nissim Abu-1 Farag ein S o n n e namulett aus Gold verfertigte, das auf der Rückseite das magische Quadrat des Saturn trug, glaubt Scholem S. 103 schließen zu dürfen, daß dieser jüdische Magier des 15. Jahrhunderts ,,die Systematisierung der Zahlenquadrate nach der Planetenfolge nach nicht kannte“. In Wirklichkeit muß er vielmehr nicht nur dieses System, sondern dazu noch das uralte babylonische1, auch in der späteren Astrologie2 unverändert fortlebende Dogma von der Wesensgleichheit von Sonneund Saturn — Saturn gewissermaßen als S o n n e des Nachthimmels — gekannt, also eine vorzügliche Ueberlieferung besessen haben. Die Quelle, aus der diese Ueberlieferung — wie die Lehre von den magischen Zahlenquadraten überh a u p t — dem Juden Nissim Abu! Farag einerseits, dem Agrippa von Nettesheim andererseits zugeflossen ist, kennt man ganz genau. Sie ist Scholem bloß entgangen, weil die Feststellung erst nach der — nur als Stoffsammlung nützlichen — Arbeit von W. A h r e n s über die magischen Zahlenquadrate gelungen ist. Prof. Aby Warbürg3 gebührt das große Verdienst, auf das merkwürdige unter dem seltsamen Namen PICATRIX4 gehende, lateinisch geschriebene Hauptwerk des mittelalterlichen kosmologischen Okkultismus, das ihm in einem Exemplar der Stadtbibliothek Hamburg in die Hände geraten war, nachdrücklich hingewiesen und mit Hilfe seiner Mitarbeiter Printz, Gräfe und Saxl5 festgestellt zu haben, daß dieses Buch eine auf Befehl König Alphons X. von Kastilien in Toledo 1252 verfertigte Uebersetzung eines arabischen, in Spanien in der Mitte des 11. Jahrhunderts von einem Alchemisten6 * 8 verfaßten Buches 1 •Morris Jastrow jun., Sun and Saturn, Revue d’Assyr. VII, 1910, Nr, 4 Relig. Babyl. u. Assyr. II, Giessen 1912, S. 445!, 483!, 4, 485, 5736, 5742, 5756, 577!, 5782, 5876, 603o, 604!, 62 95, 6382, 6602, 661 f, 668, 702 — eine Fülle von Beispielen. 2 Diod. II 30, 3—4 (aus Demokrit): Kpovoc tjL'oü cfox^p, wie Babyl. Saturn ilu bamal geschrieben werden kann. Philipp von Opus in Platons Epinomis p. 987 c. Ebenso Eratosthenes und Simplicius (zu Arist.), vgl. R. F. Thompson, Reports of Magicians etc. II, introduction XXVf.; F. X. Kugler, Sternkunde I, S. 83. Vgl. Schnabel, Berossos, Leipz. 1923, S. 108. G. Bezold u. F. Boll, Sternglaube u. Sterndeut., Leipz., S. 6, 67, 74. 3 Heian.־antike Weissagung, usw., Sitz. Ber., Heidelb. Akad. Wiss. ph. hist. Kl. 1920, 26. Abh. S. 60 f. 4 Hellmuth Ritter, Ficatrix, ein arab. Handbuch hellenistischer Magie. Voxträge d. Biblioth. Warburg I, Leipz. 1923, S. 94 ff. Eine Ausgabe des ungedruckten lateinischen Texts wird vom Bibliothekar der DMG Dr. Wilh. Printz in Halle a. S. vorbereitet. 5 Fritz Saxl, Beitr. z. 0. Gesch. d. Planetendarst. Islam III, 1922, S. 151—177. Verz. astrol. Hss. S. B. Heidelb. Ak. phil. hist. Kl. 1915, Abh. 6, 7, 1915, S. XIII f. 8 Das Buch selbst erwähnt zwei weitere Schriften des Verfassers: eine ״Geschichte der arabischen Philosophen“ und eine ״Stufe der Weisen“ alchemistischen Inhalts. Die letztere ist erhalten (Brockelmann, Gesch. d. arab. Literatur I 243) und sollte ehestens mit dem 1esmesaref 11. den ״Geber“Schriften verglichen werden.

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