Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 2)
- Language
- German
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195 in den Mund gelegte Prophezeiung eines Krieges von Frankreich gegen Spanien und den Römischen Kaiser, der Polen wider die Türken usw. ist natürlich eine Einschiebung von derselben Art, wie sie immer wieder z. B. in Sibyllinenhss. interpoliert werden, für die Entstehungszeit der Urschrift ebensowenig verwertbar wie die Christliehen Interpolationen im deutschen Druck des Abraham von Worms (o. S. 95!). Kopp hat richtig gesehen, daß der Herausgeber J u 1 i u s Gervasius von Schwarzburg über diese Prophetie selbst stutzte und den Leser durch ,,eine alberne Anmerkung״* beschwichtigen wollte. Trotzdem beschuldigt er ein paar Zeilen weiter unten denselben Gervasius, die ganze Schrift des Abraham Eleazar gefälscht zu haben. Der gute Mann müßte also zuvor in sein angebliches Pseudepi graphon eine verräterische Anspielung auf die Zeit der zweiten Türkenbelagerung von Wien hineingeschrieben haben und sich dann erst sehr unbeholfen bemüht haben, die ihm selbst bedenkliehe Stelle-statt sie einfach zu streichen! — vor dem Leser irgendwie zu rechtfertigen! Wer soll denn überhaupt glauben, daß ein deutscher Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, der sein eigenes Werk einem Alchemisten der grauen Vorzeit unterschieben wollte, zu diesem Zweck keinen besseren Namen finden konnte, als den eines ,,Abraham Eleazar“ und eines ,,Rabbi Samuel Baruch“, von denen man damals so wenig etwas wußte wie heute? So verfährt doch kein Fälscher! Es bleibt also gar nichts anderes übrig, als das fragliche Buch dieses Abraham Eleazar — das schon nach Kopp’s spärlichen Angaben höchst merkwürdig zu sein scheint — gründlich zu untersuchen. So billig wie Kopp — und nach ihm Scholem —• es aus der Geschichte der jüdischen Alchemie ausschalten möchten, läßt sich das nicht durchführen! Nun wird man vielleicht ein wenden, daß sich eine solche Untersuchung nicht lohnen wird. Allein wenn auch die Einzelfrage der Datierung des Abraham Eleazar nicht weiterschütternd ist, so muß doch einmal endgültig mit der irreführenden hyperkritischen Behandlung anonymer und pseudepigraphischer Schriften Schluß gemacht werden! Natürlich,,schwindelt“ ein Verfasser, der vorgibt, Kupferinschriften des Tubalqain benützt zu haben. Aber die Frage, die der Historiker zu beantworten hat, ist eben, wann dieser ,,Schwindler“ gelebt hat und in dieser Hinsicht besteht an sich durchaus keine größere Wahrscheinlichkeit für das 18. wie für das 12. Jahrhundert, im Gegenteil. ,,Unrichtige Zitate aus dem Alten Testament“ (Kopp 317), unverständliche ,,chaldäische“ (d. h. aramäische) Worte können sehr wohl Abschreibern, ja dem unfähigen Herausgeber bzw. unbekannten Uebersetzer zur Last fallen; das angeblich ,,nach jüdischer Art geformte, aber jüdischem Glauben widersprechende Gebet“ (I. Th. S. 95) muß erst untersucht werden, um zu erkennen, was für eine Art Heresie daraus spricht. Muß denn ein Jude, der eine Art Zauberbuch verfaßt hat, streng rechtgläubig gewesen sein? Mir wenigstens scheint die Frage nach der Zeit und Herkunft des ,,Abraham Eleazar“ durchaus noch nicht im Sinne Kopps und Scholems erledigt. Noch entschiedener muß ich Scholems spätere Ansetzung des höchst merkwürdigen Buches אש מצלף widersprechen, die ganz auf 13*