Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Terminologie und Geschichte der jüdischen Alchemie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 1)
- Language
- German
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194 Zur Terminologie und Geschichte der Jüdischen Alchemie. Von Dr. phil. Robert Eisler, stellvertr. Sektionsehef am Völkerbundes amt für geistige Zusammenarbeit in Paris. (Fortsetzung) Zu Seite 17 f. von Scholems Aufsatz möchte ich mir die Frage erlauben, welcher stichhaltige Grund denn eigentlich dagegen spricht, daß die 1357 von Nikolaus Flamel erworbene alchemistische Hs. eines ,,Juden Abraham“ t a t s ä c h 1 i c h ein Exemplar des nur in deutscher Uebersetzung erhaltenen Buches des ״Juden Abraham Eleazar“ gewesen sein könnte? Doch keinesfalls die von Scholem mit einem Rufzeichen versehene Angabe, daß die Handschrift auf ״Baumrinde“ (cortex) geschrieben gewesen sei! Denn die bei Wattenbach, Schriftwesen im Mittelalter3, Leipzig 1896, S. 108 und 111 beigebrachten Belege zeigen, daß ״Baumbast“ (1cortex) eine von Unkundigen bis weit in die Neuzeit hinein häufig für Papyrus angewendete, dem byzantinischen £1)X0%dpT10v ent sprechende Bezeichnung ist; Papyrus ist aber in Aegypten, Italien und Spanien bis ins 10. Jahrhundert für Urkunden und Hss. verwendet worden. Auch sehr frühe Hand- Schriften aus dem dem Abendland noch unvertrauten orientalischen Papier hat man einst für Baumbast gehalten1« Dazu kommt noch, daß der Text des Abraham Eleazar sich selbst als eine auf ״Rinde“ eingegrabene Abschrift einer angeblich — nach einem alten Topos dieser Art Schriften! — von Tubalqain in Kupfer geritzten Vorlage bezeichnet, ganz übereinstimmend mit der Angabe des Flamel! Das eigenartige Werk muß also wohl in Frankreich, wo es auf getaucht ist, zu einer Zeit geschrieben worden sein, wo man das neueingeführte arabische, zuerst im Abendland, in Italien und Spanien erzeugte Papier zwar schon kannte, aber noch nicht wußte, was das für ein Stoff war2 und es daher als eine Abart des — wie erwähnt — für ein Baumbastgeflecht gehaltenen Papyrus betrachtete. Das würde spätestens auf das Ende des 12. Jahrhunderts weisen. Daß das Buch Anleitung zur Bereitung der Mineralsäuren gibt3, läßt sich damit wohl vereinigen, seit v. Lippmann4 diese Entdeckung durch seine Untersuchung des Sammelbuches des Vitalis de Furno um annähernd 150 Jahre zurückschieben und zeigen konnte, daß die Darstellung der Salpetersäure und des Königswassers in Italien um 1150 schon bekannt war; ebenso die Anführung aus der ״ Tabula Smarag&ina“, deren Kenntnis eben seit dem 12. Jahrhundert im Abendland nachweisbar ist. Die dem ״Abraham Eleazar“ 1 Jul. Wiener, Stud. über angebliche Baumbastpapiere, Wiener Sitz.- Ber., ph.-hist. Kl. CXXVI. 2 Die älteste Erwähnung der Papierbereitung aus Lumpen (ex rasuris veterum pannorum) neben der Papyruserzeugung aus ,.juncis orientalium paludum“ steht in der merkwürdigen Polemik des Peter v. Cluny (1122—1150 Abt dieses Klosters) adv. Judaos c. 5, wo er sich über die jüdische Agada ,,quod legit Deus in coelis librum Talmuth“ lustig macht. 3 Kopp II, 316, nach' D. Fr. Gmelin, Gesch. d. Chemie, Bd. I, S. 63 f. 4 Beitr, z. Gesch. d. Nat. Wiss., Leipzig 1923, S. 192.