Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Passivbildung des Grundstammes im Semitischen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 13)
- Language
- German
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192 er freute sich, qrüb er näherte sich) sodann das Kommen in einen neuen Zustand, das Werden, Geworden sein“ (kbor er wurde groß, mrod wurde krank) bezeichnen71. Wenn aber Reinhardt, diese Intransitivä als Passivformen bezeichnet72, so halte ich dies für unrichtig. Ihm folgt Brockelmann, indem er in ihnen das ,,durch inneren Vokal- Wechsel“ gebildete Passiv erblickt. Hierbei bleibt es einigermaßen unklar, welches der Charakter vokal des ersten Radikals —wohlgemerkt des ersten Radikals! — hier sein soll, da er, Brockelmann, qtil wurde getötet und hnoq wurde erhängt als Beispiele heranzieht73. Man beachte doch folgende Beispiele. Perfekta: gröh wurde verwundet, sröq wurd gestohlen, xlüf wurde als Nachfolger eingesetzt, xlo'qt wurdest gehören; — btil (das Bauen) ist auf gegeben worden (vgl. nhb. בטל דבר בטל אהבה ist die Sache hinfällig geworden, dann auch die Liebe Pirke Aboth 516), xilfit wurde versetzt, trid ist ausgewiesen wordenu. Im Hinblick darauf, daß auch die sogenannten neutrischen Stämme in diesem Dialekt ebendieselbe Stammvokalisation wie die vermeintliche Pasivform aufweisen — wie z. B. qrüb näherte sich, froh freute sich, xdil konnte nicht gehen, gfil scheute75 —, sollte man doch nicht mit Brockelmann diesen Verbalstamm als ein durch inneren Vokalwandel gebildete Passivum betrachten. Tatsache ist doch nun einmal, daß zwischen den Aktivformen und den Passivformen nicht der geringste formelle Unterschied besteht76. Imperfekta: tintaq wird ausgesprochen, jimlah wird gesalzen, jitbax (die Melesti-Datteln) werden gekocht, jidfen (der Tote) wird begraben u. a. m.77 In den von Reinhardt angeführten Paradigmen jufai, jöf‘el juqtal, juqbar könnte man versucht sein, den Charaktervokal und bzw. den abgelauteten O-Vokal zu sehen. Allein Reinhardt selbst macht an anderer Stelle darauf aufmerksam, daß diese Vokale von dem folgenden Konsonanten abhängen, also sekundärer Natur seien78. Und man darf in seinem Sinn wohl sagen, diese Vokale rühren aus partieller Assimilation an den nächsten Konsonanten her. Ja bereits im Imperfekt aktiv des Grimdstammes gewahren wir dies: juktub, joqham (er geht herunter), ebenso in den abgeleiteten Stämmen. 71 Reinhardt ib. § 244. 72 ib. § 280. 73 SR I § 257a, d. 74 Reinhardt ib. § 280. 76 ib. § 244. 78 S. auch Socin in GGA I (1985) 127 und König Lehrgeb. III § 98; s. jedoch Völlers ZDMG 49 (1895) 504. Zu gröh ,,wurde verwundet“, xlüf ,,wurde als Nachfolger eingesetzt64 vgl. kl. ar. in eben derselben Bedeutung; zu sröq ״wurde gestohlen“ — in verwandter Bed. s. Laue s. v. Ebenso kann man auch zu den meisten bei R. angeführten Beispielen Parallelen finden. 77 R. ib. § 281. 78 ib. §§ 243—266. — Merkwürdigerweise aber überschreibt R. § 242, welcher intransitive Stämme, wie shor er hatte eine schlaflose Nacht, rhub er fürchtete sich behandelt, mit ,,Verba mit Passiv-Form“, was zu einer irrigen Auffassung zu verleiten angetan ist. Cf. ib. § 261!