Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Passivbildung des Grundstammes im Semitischen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 6)
- Language
- German
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185 Dementsprechend ist auch das Verfahren beim Partizip פעול. Die Erklärung aber, daß die passive Bedeutung aus dem von Transitiven gebildeten Adjektiv, welches meist passive Bedeutung aufweist, herrühre38, scheint mir unzulänglich, da der Grund noch einer Erklärung bedarf. Im Folgenden beabsichtige ich, die Passiv-Bildungen des Grund- Stammes im Semitischen, sowie die zum Ausdruck des Passiv verwendeten Mittel zu untersuchen. Zum Wesen des Semitischen gehört u. a., daß es sich der Vokale als Bildungselemente in weiterem Umfang bedient als die indogermanischen Sprachen. Vorzüglich in den Stammbildungen dienen die Extrem vokale i und u ״als Charakter vokale der nicht aktiven und intransitiven Verba“39. Während aber in den letzten Verbalformen die Charaktervokale in die zweite Silbe zu treten pflegen, verwenden die organischen, oder wie man sie zu nennen pflegt, die inneren Passiv-Bildungen ihren Charaktervokal — ausschließlich u — schon in der ersten Silbe, als ob dadurch gleich beim Hervorbringen des ersten Lautes die Bedeutungsrichtung der Form angedeutet werden sollte. Als Grund für die Verwendung gerade dieses Lautes zu diesem Zweck hätte man entweder mit Wundt40 einen adäquaten Gefühlston für die ,,herabstimmende“ Wirkung des Leidens zu sehen, oder mit Bauer41 anzunehmen, daß er ursprünglieh aus der für Krankheitsbezeichnungen in den semitischen Sprachen weit verbreiteten Form fu'äl (vgl. hunäq-Angina u. a. m.) herrühre, die mittels Bedeutungserweiterung vom ״schmerzlich Affiziertsein“ zum Affiziertsein durch eine Handlung überhaupt übergegangen wäre, und die ihrerseits, wieder auf dem im Akkadischen vorliegenden Wehruf u’ä, zurückgeführt werden könnte, was im Grunde schließlich ein und dasselbe bedeutet. Auf jeden Fall gewahren wir dabei die charakteristische Eigentümlichkeit des Semitischen, vermittels Vokal- Wechsel die verschiedenen Beziehungen der verbalen Tätigkeit zum Ausdruck zu bringen. Diese Erscheinung, wie natürlich sie auch dem Wesen des Semiten ist, findet sich indessen nicht in allen semitischen Sprachen. II. a. Im Syrischen wird zum Grundstamm pe'äl eine Reflexivform ethpe<el gebildet, die zugleich als Passiv verwendet wird, entsprechend den Reflexivformen der abgeleiteten Stämme. Als Partizip des Passiv wird die Form pe'11 verwendet. Wenn sie aber auch häufig in aktiver Bedeutung gebraucht wird (׳419נפיב besitzend כגיל fortziehend42), so liegt der Schluß nahe, daß wir in ihr keine eigentliche 38 ib § 61na—wa. 89 E. König ZDMG 65 (1911) 720. 40 Völkerpsychologie (Leipzig .1911) Bd. 1, Die Sprache 362. 41 Die Entstehung des sem. Passivs in ZDMG 69 (1915) 562 ff. Bauer- Leander, Historische Grammatik § 38a1. 4נ& Aus drucktechnischen Gründen mußte die Transskription so vereinfacht werden. 42 Nöldeke, Syrische Gram.2 § 280s. daselbst die weiteren Beispiele; vgl. Brockelmann, Syr. Gram.2.